{"id":193,"date":"2023-09-15T16:22:13","date_gmt":"2023-09-15T15:22:13","guid":{"rendered":"https:\/\/anthroposophie.online\/WP\/?p=193"},"modified":"2023-10-20T18:17:15","modified_gmt":"2023-10-20T17:17:15","slug":"193","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/anthroposophie.online\/WP\/blog\/193\/","title":{"rendered":"Bemerkungen zu Sch\u00f6pfung aus dem Nichts"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Winfried Karitter<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Einige Bemerkungen zu der Zeichnung Rudolf Steiners <\/strong><br><strong>am Ende <a href=\"https:\/\/anthroposophie.online\/WP\/blog\/steiners-ausfuehrungen-zum-sephirot-baum\/\" data-type=\"post\" data-id=\"190\">meines Artikels \u00fcber die Sch\u00f6pfung aus dem&nbsp;Nichts<\/a> <\/strong><br><strong>unter Ber\u00fccksichtigung des Vortrages Rudolf Steiners vom 10. Mai 1924 (GA 353)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Lichtgel\u00f6st<br>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;W\u00e4chst Deine Seele grasig<br>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Dennoch Du weisst<br>&nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Am Seelenfaden ist eine Wurzel<br>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Und Deine Seele lichtumfangen<br>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Gleicht einer schimmernden Perlenschnur<\/p>\n<cite>Rahel Mirjam Abraham<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Vortrag und Zeichnung vom 10. 5. 1924 (GA 353<sup data-fn=\"14b8285d-cbcd-4f43-a0e9-60b042f212a7\" class=\"fn\"><a href=\"#14b8285d-cbcd-4f43-a0e9-60b042f212a7\" id=\"14b8285d-cbcd-4f43-a0e9-60b042f212a7-link\">1<\/a><\/sup>) stellen die Sicht&nbsp; Rudolf Steiners auf den \u201ej\u00fcdischen Sephirothbaum\u201c dar. Die Juden des Altertums, so Steiner, h\u00e4tten ihre h\u00f6chste Weisheit darin eingeschlossen, in den ersten zwei Jahrhunderten nach der Entstehung des Christentums habe man von allen diesen Dingen gewusst, als die Juden sich zerstreut haben in die Welt, ist diese Art zu wissen auch zerstreut worden.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Annahme Steiners entspricht nicht den gesicherten historischen Tatsachen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Begriff \u201eSephiroth\u201c erscheint zum ersten Mal in einem fr\u00fchen mystischen Buch, dem \u201e<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sefer_Jetzira\">Sefer Jezira<\/a>\u201c (Buch der Sch\u00f6pfung) zwischen ca. 200 \u2013 600 neuer Zeitrechnung. Der Autor ist unbekannt.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Buch bezeichnet der Begriff Sephiroth heilige Zahlen, mit denen Gott zusammen mit den 22 hebr\u00e4ischen Buchstaben das Universum erschuf. Den sogenannten Baum der Sephiroth zusammen mit den Begriffen f\u00fcr die einzelnen Sephiroth finden wir erst in der kabbalistischen Literatur des 12. und 13. Jahrhunderts. In dieser Zeit entstand auch erst die Kabbala, wie wir sie heute kennen. Dieses hebr\u00e4ische Wort war nat\u00fcrlich schon zuvor bekannt und gebr\u00e4uchlich, es bezeichnet schlicht den Empfang oder die Tradition. So beginnen Juden den Shabbat mit dem Kabbalat Shabbat, den Empfang des Shabbat.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir heute von Kabbala sprechen, meinen wir ausschliesslich die Mystik des Judentums. Ort der Entstehung dieser Geisteswissenschaft war Spanien und die Provence im 12.\/13. Jahrhundert.<\/p>\n\n\n\n<p>Namen einiger Rabbiner, die f\u00fchrend an der Geburt der Kabbala beteiligt waren:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Isaak_der_Blinde\">Jizchak der Blinde<\/a>, genannt auch Sagi Nahor (der Lichtreiche), ca. 1165 \u2013 1235.<\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Azriel_von_Gerona\">Asriel von Gerona<\/a> (1160 \u2013 1238). Gerona in Nordspanien war ein Zentrum des spirituellen Judentums. Dort wirkten wenigstens 12 Kabbalisten. Asriel beeinflusste nach prominenter Auffassung<\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Jakob_B\u00f6hme\">Jakob B\u00f6hme<\/a> (155 &#8211; 1624) deutscher Mystiker <\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Josef_Gikatilla\">Josef GiKatilla<\/a> (1248 \u2013 1325) aus Medinaceli und Segovia.<\/li>\n\n\n\n<li>Sein Lehrer <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Abraham_Abulafia\">Abraham Abulafia<\/a> (ca. 1240 \u2013 1291), den ich besonders sch\u00e4tze. Abulafia suchte den Papst auf und forderte die Freilassung des j\u00fcdischen Volkes, d.h. die Einstellung der m\u00f6rderischen Verfolgungen. Abulafia wurde sofort verhaftet und w\u00e4re auch verbrannt worden, wenn nicht der Papst wenige Tage sp\u00e4ter gestorben w\u00e4re.<\/li>\n\n\n\n<li>Ein weiterer wichtiger Ort f\u00fcr die Entwicklung der Kabbala war <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Safed\">Safed im Galil<\/a> (Galil\u00e4a). Hier wirkten im 16. Jahrhundert u.a. die grossen Rabbiner <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Moses_Cordovero\">Moses Cordovero<\/a>, sein Sch\u00fcler <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Moses_Cordovero\">Jizchak Luria<\/a> und dessen Sch\u00fcler <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Chaim_Vital\">Chaim Vital<\/a>.<\/li>\n\n\n\n<li>Schliesslich ist noch der osteurop\u00e4ische Chassidismus zu erw\u00e4hnen, begr\u00fcndet im 18. Jahrhundert von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Israel_ben_Elieser\">Israel Ben Elieser<\/a>. Diese Str\u00f6mung wurde in Europa insbesondere durch <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Martin_Buber\">Martin Buber<\/a> bekannt.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Diese wenigen Ausf\u00fchrungen zu Kabbala und ihrer Geschichte sollen hier gen\u00fcgen. Ich hoffe, dass sie ausreichen, auf den Reichtum und die noch heute geltende Bedeutung f\u00fcr die Geistesarbeit der Menschen- nicht nur der Juden- hinzuweisen. In dem Gesamtwerk Rudolf Steiners findet sich hierzu fast nichts. Die wenigen \u00c4usserungen sind meiner Meinung nach zum Teil von der Auffassung Steiners, das Fortbestehen des heutigen Judentums sei ein Irrtum der Weltgeschichte, gepr\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich komme jetzt auf Steiners Auffassung zur\u00fcck, dass die Juden im 12. Jahrhundert nicht mehr recht gewusst h\u00e4tten, wie man durch diese zehn Sephiroth liest. Deshalb sei ein grosser Streit \u00fcber zwei S\u00e4tze entstanden. Der erste Satz: Hod, Chesed, Binah, der zweite Satz: Chesed, Kether, Binah. Man muss wissen, so Steiner weiter: \u201eDiese S\u00e4tze sind aus dem Sephirothbaum heraus; der eine hat so, der andere so gelesen\u201c. Was Steiner unter den \u201eS\u00e4tzen\u201c versteht, erschliesst sich mir nicht. Die Sephiroth sind heilige Worte, keine S\u00e4tze, jedenfalls bin ich in der Literatur niemals auch nur \u00c4hnlichem begegnet.<\/p>\n\n\n\n<p>Festzuhalten ist, dass der Sephirothbaum \u00fcber Jahrhunderte bis in die heutige Zeit ein Grundpfeiler j\u00fcdischer Spiritualit\u00e4t war und ist, die Literatur hierzu ist riesig und wird st\u00e4ndig erweitert.<\/p>\n\n\n\n<p>An der Aussage Steiners stimmt lediglich, dass es tats\u00e4chlich im 12.\/13. Jahrhundert im mediterranen Raum einen gravierenden Streit gab. Er von einer solchen Gewalt war, dass die Einheit des Judentums zu zerbrechen drohte. Ausl\u00f6ser war weder der Sephirothbaum noch waren es die von Steiner zitierten Sephiroth.<\/p>\n\n\n\n<p>Ausgel\u00f6st wurde die Kontroverse durch die Schriften des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Maimonides\">Maimonides<\/a>, der die Unk\u00f6rperlichkeit und absolute Transzendenz des g\u00f6ttlichen Wesens betonte. Man k\u00f6nne deshalb keinerlei Erkenntnis \u00fcber die Wesenheit Gottes erlangen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dagegen standen die Juden, die sich unter anderem auf Gen 1,26 bezogen, wonach Gott den Menschen nach seinem Bild und \u00c4hnlichkeit geschaffen habe. Die Anthropomorphismen der Bibel, mit denen Gott menschliche Eigenschaften zugeschrieben werden, kamen dem Bed\u00fcrfnis dieser Menschen sehr entgegen, sich einem pers\u00f6nlichen Gott zu n\u00e4hern.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Streitigkeiten gingen soweit, dass sich die Parteien sich&nbsp;gegenseitig in Bann taten.<\/p>\n\n\n\n<p>Es war das Verdienst der Kabbalisten, diesen schier un\u00fcberbr\u00fcckbaren Gegensatz aufgel\u00f6st zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie teilten voll und ganz die strenge Auffassung von der absoluten Transzendenz der Gottheit, bezogen aber alle Anthroposophismen, die man nicht leugnen konnte und auch nicht wollte, auf die Manifestationen in den g\u00f6ttlichen Wirkungskr\u00e4ften der Sephiroth (Johann Maier in seinem Buch \u201eDie Kabbalah\u201c, M\u00fcnchen 1995). Die zehn Sephiroth sind demnach Emanationen Gottes und nicht Gott. Mit diesen Aussagen wurde zugleich die Gefahr eines Pantheismus zur\u00fcckgedr\u00e4ngt, der sich immer wieder durchzuschl\u00e4ngeln versuchte. Gott ist <em>in <\/em>der Natur, er <em>ist <\/em>nicht die Natur.<\/p>\n\n\n\n<p>Bevor ich zu der Zeichnung Steiners und seiner \u00dcbersetzung der einzelnen Sephiroth gehe, einige Bemerkungen zur j\u00fcdischen Hermeneutik heiliger Texte insbesondere der Bibel:<\/p>\n\n\n\n<p>Almuth Bruckstein schreibt dazu in ihrem Buch \u201eVom Aufstand der Bilder, Materialien zu Rembrandt und Midrasch\u201c: \u201eDie hebr\u00e4ische Schrift, Thora, ist, wie vielleicht jeder heilige Text, einer, der sich nicht fortschreibt in dem, was dasteht, sondern vielmehr in seinen L\u00fccken und Unebenheiten, in und an denen sich unendliches narratives Material aufh\u00e4ngen l\u00e4sst, wie M\u00e4ntel an einem Haken. Die traditionelle Auslegungspraxis kennt keine Richtlinie des Prinzips \u201eSola Scriptura\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Bruckstein zitiert hierzu eine Stimme aus dem 12. Jahrhundert (Rabbi Salomon ben Abraham ibn Parchon):<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie Nichtjuden benutzen alle m\u00f6glichen Bibel\u00fcbersetzungen, von denen sie glauben, dass diese den tats\u00e4chlichen w\u00f6rtlichen Sinn des Textes wiedergeben. Damit haben sie aber die 70 Gesichter der Thora ausgel\u00f6scht\u201c.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Hierzu muss man wissen, dass 70 hier keine numerische Zahl ist, 70 steht f\u00fcr den hebr. Buchstaben Ajin, der Auge bedeutet. Sieht das Auge einen Baum, so werden damit zugleich die Bl\u00e4tter wahrgenommen, die aber in ihrer Zahl nicht erfassbar sind. Die 70 Gesichter der Thora bedeutet, dass es unendlich viele Deutungsm\u00f6glichkeiten gibt. Thoralernen ist also ein lebendiger nicht enden wollender Vorgang, der keine Dogmen zul\u00e4sst, der immer wieder Fragen aufwirft, der auffordert, Standpunkte zu verlassen, unbekannte Wege sucht.<\/p>\n\n\n\n<p>Die 70 Gesichter der Thora sind ein unverzichtbarer Teil j\u00fcdischer Hermeneutik. Dieser hermeneutische Grundsatz l\u00e4sst in mir die Frage aufkommen: Wie gehen wir mit den Klassentexten um? Wir haben die Mantren und die Zwischentexte. Die Mantren sind der Kernbereich, die Zwischentexte sollten nicht mitgeschrieben bzw. aufbewahrt werden. Werden die Zwischentexte als Kommentierungen zu den Mantren begriffen, kann sich dem Leser ein Freiraum f\u00fcr eigene Verst\u00e4ndnisse er\u00f6ffnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Moses Cordovero (Saved 16. Jahrhundert) schreibt bez\u00fcglich des pers\u00f6nlichen Studiums der Thora folgendes:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eGetreulich wird Gott dich Aspekte der Thora erkennen lassen, die noch niemand sonst erkannt hat. Denn jede Seele hat einen einzigartigen Anteil an der Thora.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Werden diese Worte auf die Klassenstunden \u00fcbertragen, ist das eigene Verst\u00e4ndnis und das eigene Erleben bedeutender als der Zwischentext. Wie soll ich sonst Steiners Aufforderung verstehen, diese Texte nicht mitzuschreiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Marc-Alain Ouaknin (in Frankreich bekannter Philosoph und Rabbiner) \u00e4ussert sich in seinem Werk \u201eDas verbrannte Buch\u201c in \u00e4hnlicher Weise: <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eDie Lekt\u00fcre (hier Meditation) ist ein Sch\u00f6pfungsakt. Keine Lekt\u00fcre darf mit ihrer vorhergehenden identisch sein. Jede Lekt\u00fcre, jedes Studium gebiert neue Gesichte\u201c.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Wende ich mich nun der Zeichnung Steiners (Sephirothbaum) und dem Text des Vortrages zu, muss ich leider sagen, dass die Zeichnung sich \u00fcberhaupt nicht, der Text sich wenig zu den j\u00fcdischen \u00dcberlieferungen verh\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"972\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/anthroposophie.online\/WP\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/sephirothBaumSteiner-972x1024.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-292\" srcset=\"https:\/\/anthroposophie.online\/WP\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/sephirothBaumSteiner-972x1024.png 972w, https:\/\/anthroposophie.online\/WP\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/sephirothBaumSteiner-285x300.png 285w, https:\/\/anthroposophie.online\/WP\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/sephirothBaumSteiner-768x809.png 768w, https:\/\/anthroposophie.online\/WP\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/sephirothBaumSteiner-1458x1536.png 1458w, https:\/\/anthroposophie.online\/WP\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/sephirothBaumSteiner.png 1789w\" sizes=\"(max-width: 972px) 100vw, 972px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Die traditionelle Grafik des Sephirothbaums macht dies sofort deutlich. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" width=\"531\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/anthroposophie.online\/WP\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Bild_2023-09-15_171847202-531x1024.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-194\" style=\"object-fit:contain;width:840px;height:1024px\" srcset=\"https:\/\/anthroposophie.online\/WP\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Bild_2023-09-15_171847202-531x1024.png 531w, https:\/\/anthroposophie.online\/WP\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Bild_2023-09-15_171847202-155x300.png 155w, https:\/\/anthroposophie.online\/WP\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Bild_2023-09-15_171847202.png 541w\" sizes=\"(max-width: 531px) 100vw, 531px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Sephirot-Baum<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>An dieser Zeichnung f\u00e4llt sofort auf, dass sie Struktur hat, der Sephirothbaum ist gegliedert, er ist ein Organismus. Jede Sephira hat ihren Platz, alle sind durch sogenannte R\u00f6hren verbunden, durch diese fliesst g\u00f6ttliche Kraft. Die rechte Seite wird m\u00e4nnlich, die linke weiblich genannt. Diese Bezeichnungen beziehen sich nicht auf die irdischen Geschlechter Mann und Frau. Die mittlere S\u00e4ule ist teilweise gepr\u00e4gt von dem Zusammenwirken beider Seiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Rudolf Steiners Zeichnung l\u00e4sst eine solche Gliederung nicht erkennen. So hat Rudolf Steiner z.B. die Sephiroth Tipheret und Jesod nach rechts verlegt, sie haben aber ihren Platz in der Mitte. Die Abweichungen k\u00f6nnen am besten im Vergleichen beider Zeichnungen erkannt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Deutungen einzelner Sephiroth durch Rudolf Steiner kann ich nicht in G\u00e4nze kommentieren, dies w\u00fcrde den Text sprengen. Ich m\u00f6chte nur Einiges herausgreifen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer sich f\u00fcr dieses Thema interessiert, kann den <a href=\"https:\/\/www.akademie-rs.de\/fileadmin\/user_upload\/download_archive\/religion-oeffentlichkeit\/130615_Strenger_Sefirot.pdf\">Vortrag <\/a>von Rabbi Gabriel Strenger gehalten im Juni 2013 in der Akademie der Di\u00f6zese Rottenburg-Stuttgart im Internet aufrufen. \u201eDer Baum der Sephiroth\u201c. Dieser Vortrag ist f\u00fcr Laien leicht zu verstehen, er geht auf alle Sephiroth ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Oberhalb des Sephiroth-Baumes sollte immer der hebr\u00e4ische Begriff \u201eAin Soph\u201c (wie in der Abbildung) stehen. Ain Sophbedeutet w\u00f6rtlich \u201eohne Grenze\u201c oder \u201egrenzenlos\u201c. Ain Soph ist keine Sephira, dieses Wort entzieht sich jeder begrifflichen Festlegung.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Gegensatz zum pers\u00f6nlichen Gott der Sephiroth repr\u00e4sentiert Ain Soph die radikale Transzendenz Gottes (Daniel Matt in \u201eDas Herz der Kabbala\u201c). Matt zitiert hierzu Moses Cordovero:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eSchreibe Gott keine Dualit\u00e4t zu. Lass Gott einzig Gott sein. Wenn du annimmst, dass Ain Soph bis zu einem bestimmten Punkt ausstr\u00f6mt und von diesem Punkt an ausserhalb ist, dann hast du dualisiert, Gott beh\u00fcte. Erkenne daher, dass Ain Soph in allem, was existiert, vorhanden ist. Sage nicht: Das ist ein Stein und nicht Gott, Gott beh\u00fcte! Die gesamte Existenz ist Gott, und der Stein ist ein Ding, das von Gottheit erf\u00fcllt ist\u201c.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Damit ist Gott bis in die Materie hinein grenzenlos, er ist die totale Einheit. Weiter Cordovero:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eWeiterhin solltest du wissen, dass Ain Soph seine Sephiroth austrahlte, damit sie seine Handlungen ausf\u00fchren. Sie dienen als Gef\u00e4sse f\u00fcr die Handlungen, die von Ain Soph in die Welt der Trennung und darunter reichen. Seine Existenz und sein Wesen breiten sich durch die Sephiroth aus, diese Sephiroth haben unausl\u00f6schbare Namen\u201c.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Diese Namen waren im Judentum nat\u00fcrlich schon vor der eigentlichen Entstehung der Kabbala bekannt, allerdings ohne ihre Zuordnung nach dem Baum der Sephiroth.<\/p>\n\n\n\n<p>So ist es f\u00fcr mich nicht erstaunlich, dass im \u201eVater unser\u201c drei dieser Namen genannt werden: Denn Dein ist das Reich (Malchut) und die Kraft (Geburah) und die Herrlichkeit (Tifereth).<\/p>\n\n\n\n<p>Der Sephirothorganismus wird als umgekehrter Baum begriffen, er wurzelt im Himmel, seine Fr\u00fcchte ern\u00e4hren \u00fcber Malchut die Erde und insbesondere die Menschen, wenn sie es denn wollen. Der Sephirothbaum wird auch oft Adam Kadmon genannt. Wegen Platzmangels kann nicht auf dieses sehr interessante Thema eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Ain Soph<\/h1>\n\n\n\n<p>Ain Soph steht auch in Zusammenhang mit dem ersten Sch\u00f6pfungswort:<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eUnd Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht\u201c.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Aus der hebr\u00e4ischen Grammatik zu diesem Wort schliessen die Rabbinen, dass das Licht schon immer in Gott war, durch das erste Sch\u00f6pfungswort wurde es freigesetzt. Es ist das sogenannte Urlicht, dass nicht mit dem Licht der Sonne und der Sterne zu verwechseln ist. Dieses Urlicht ist von einer solchen Kraft, dass Gott es zur\u00fccknehmen musste \u2013 allerdings nicht vollst\u00e4ndig:<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Stimme aus dem Sohar:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eWenn das Licht v\u00f6llig verborgen w\u00e4re, w\u00fcrde die Welt nicht einmal einen Augenblick existieren! Es ist vielmehr verborgen und ausges\u00e4t wie ein Samen, der K\u00f6rner und Fr\u00fcchte hervorbringt, dadurch wird die Welt gen\u00e4hrt. Jeden Tag erh\u00e4lt ein Strahl dieses Lichts, der auf die Welt f\u00e4llt, alles am Leben; mit diesem Strahl n\u00e4hrt Gott die Welt. Und \u00fcberall, wo am Abend die Thora studiert wird, erscheint ein fadend\u00fcnner Strahl dieses verborgenen Lichts und fliesst auf jene nieder, die in ihr aufgehen. Seit dem ersten Tag war das Licht nie v\u00f6llig verborgen, es ist lebensnotwendig f\u00fcr die Welt und erneuert jeden Tag die Sch\u00f6pfung\u201c.<\/p>\n<cite>Rabin Judah<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Die Qualit\u00e4t des verborgenen und doch nicht verborgenen Lichtes empfinde ich in dem Eingangsgedicht: \u201eUnd deine Seele lichtumfangen gleicht einer schimmernden Perlenschnur\u201c. Das Licht der Perle ist verhalten, schimmernd.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine besondere Beziehung zum verborgenen und doch nicht v\u00f6llig verborgenen Urlicht haben \u00fcber Kether die Sephiroth Chochmah und Chessed.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn Rudolf Steiner auf Seite 213 des Vortrages schreibt, dass Chochmah rechts und Binah links eingeordnet ist, ist das richtig. Auch die \u00dcbersetzung Steiners mit Weisheit und Intelligenz trifft, wenn auch Binah zumeist mit Einsicht oder unterscheidende Vernunft \u00fcbersetzt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich m\u00f6chte ein Bild aus dem Sohar einf\u00fcgen:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eAus den Tiefen des Nichts erscheint ein Urpunkt &#8211; Chochmah, dieser Urpunkt baut sich einen Palast \u2013 Binah\u201c.<\/p>\n<cite>Sohar<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Binah ist der Schoss, die g\u00f6ttliche Mutter. Sie empf\u00e4ngt Chochmah, den m\u00e4nnlichen Ursamen. Alles Erschaffene hat in ihr (Binah) seinen Ursprung, sie ist die Totalit\u00e4t aller Individuation, so Daniel Matt.<\/p>\n\n\n\n<p>Demnach: nur durch Trennung und Vereinigung (Befruchtung) entsteht Neues und damit Zukunft.<\/p>\n\n\n\n<p>Verzichtet unser Intellekt auf Begegnung und Vereinigung&nbsp;mit Chochmah, wird unsere Welt so, wie sie leider in Bereichen schon ist. F\u00fcr mich ist es nachvollziehbar, dass Weisheit eine deutliche Affinit\u00e4t zum Urlicht hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir uns den n\u00e4chsten Sephiroth Chesed, Geburah und Tiphereth und Rudolf Steiners \u00dcbersetzung ins Deutsche zuwenden, kommen insbesondere bei der \u00dcbersetzung von Chesed als Freiheit Fragen auf: Freiheit &#8211; wozu? &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Chesed wird nach j\u00fcdischem Verst\u00e4ndnis als Liebe ohne Grenzen, auch Gnade ohne Begrenzung verstanden. Chesed ist die \u00fcberfliessende Liebe Gottes gegen\u00fcber allen Gesch\u00f6pfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich kann Liebe nur in v\u00f6lliger Freiheit gedeihen. Liebe ich, muss der Andere in der Gegenliebe v\u00f6llig frei sein. Nach j\u00fcdischer Auffassung darf ich nicht einmal hoffen, dass ich wiedergeliebt werde. Hoffnung kann seelisch sehr belastend sein \u2013\u201edem Hoffnung schon die Schwingen l\u00e4hmte\u201c.&nbsp; Weinreb pr\u00e4gte den radikalen Satz: \u201eWenn Du wirklich liebst, lass alle Hoffnung fahren!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u00dcbersetzung \u201eFreiheit\u201c trifft m.E. nicht den Kern von Chesed.<\/p>\n\n\n\n<p>Gegen\u00fcber von Chesed steht Geburah. Steiner \u00fcbersetzt richtig mit Kraft. Geburah ist eine Sephirah auf der linken S\u00e4ule. Die linke Seite steht nach j\u00fcdischer Auffassung der materiellen Welt nahe, ist aber in keiner Weise auch nur ann\u00e4hernd materiell. Von den in der Bibel genannten Engel ist Gabriel der Erde bzw. der Materie am n\u00e4chsten stehend. Deswegen ist er der Verk\u00fcndigungsengel. Gabriel und Geburah haben denselben Wortstamm.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiterer sehr wichtiger Name f\u00fcr diese Sephirah ist \u201eDin\u201c, was Recht oder Gericht bedeutet.<\/p>\n\n\n\n<p>Rabbi Strenger schreibt zu den beiden Sephiroth Din und Chesed:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201cChesed ist die expansive g\u00f6ttliche Kraft, der Welt grenzenlose Liebe zukommen zu lassen (Psalm 145\/9: Der Herr ist gut zu allen, seine Barmherzigkeit ist \u00fcber alle seiner Gesch\u00f6pfe), Din ist der linke Gegenpol, er wirkt restriktiv und sorgt f\u00fcr Grenzen und Gerechtigkeit, die auferlegten Grenzen k\u00f6nnen f\u00fcr den Menschen sehr schmerzhaft sein, Grenzen sch\u00fctzen die Welt davor, von g\u00f6ttlicher Energie \u00fcberschwemmt zu werden. Also h\u00e4lt Gott sich zur\u00fcck. Und gerade diese Zur\u00fcckhaltung macht Gottes St\u00e4rke aus, wie auch bei Menschen Selbstbeherrschung ein Zeichen von St\u00e4rke ist. Wer ist stark? der seinen Trieb beherrscht (Talmudtraktat: Spr\u00fcche der V\u00e4ter)\u201c.<\/p>\n<cite>Rabbi Stenger<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Sohar ist Chesed ein sehr starker Ausfluss des Urlichtes. Es ist dieses Licht, diese grenzenlose Liebe Gottes, die aus Gott den \u201elieben Gott\u201c macht, so Strenger.<\/p>\n\n\n\n<p>Beide Sephiroth sind Eigenschaften des einen Gottes. Nur wenn sie im Gleichgewicht sind, kann Thipheret geboren werden, nur dann ist Harmonie und Herrlichkeit, wie Tipheret \u00fcbersetzt werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Gottesname von Din ist, wie Josef Gikatilla in seinem Buch &#8222;Pforten des Lichts&#8220; schreibt: Elohim.<\/p>\n\n\n\n<p>Da der Sephirothbaum nicht nur makrokosmisch sondern auch mikrokosmisch wirkt, er ist wie ein Bild in die seelisch-geistige Struktur des Menschen hineingeflochten worden, weist Gikatilla mit Ernst auf die Verantwortung des Menschen hin, der urteilen, richten muss: <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eDem gem\u00e4ss musst du bedenken, dass jeder, der als Richter fungiert, ob es ein Engel ist oder ein Mensch, zur Zeit des Gerichtsverfahrens Elohim genannt wird oder wenn er als Gemeindeverantwortlicher f\u00fcr das Rechtswesen ernannt worden ist\u201c.<\/p>\n<cite>Gikatilla<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Nur der Entscheider, der die Menschen liebt, darf daher urteilen oder richten. Das Fehlen der Liebe zum Menschen wie auch zur Sch\u00f6pfung kann man bestens an der Verwaltung sowie der Justiz in Nazideutschland erleben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Weitere Sephiroth<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Was die Sephiroth Nezach, Hod und Jesod angeht, k\u00f6nnen sie als Dreiheit angesehen werden, die einen dialektischen Prozess repr\u00e4sentieren.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Netzach kann als Eroberung, \u00dcberwindung auch als Sieg verstanden werden. Steiner \u00fcbersetzt: \u201e\u00dcberwindung\u201c, was richtig ist.<\/li>\n\n\n\n<li>Hod ist das Gegenteil von Netzach: Hod kommt von hodaa, was mit danken, unterwerfen, zugeben \u00fcbersetzt werden kann. (Es gibt noch weitere Deutungen von Hod, auf die ich hier verzichte).<\/li>\n\n\n\n<li>Nezach steht auf der rechten Seite, Hod auf der linken.<\/li>\n\n\n\n<li>In der Mitte steht Jesod (Fundament), Jesod ist der Ausgleich zwischen den beiden Polen.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Steiner schreibt zu Hod: \u201eWas beim Menschen auch die Fortpflanzung hervorbringt, was also mit der Sexualit\u00e4t zusammenh\u00e4ngt, das nannten die alten Juden Hod\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine solche Deutung ist mir bisher nicht begegnet. Als befruchtende Kraft wird vielmehr Jesod betrachtet. Tiferet ist nach kabbalistischer Deutung m\u00e4nnlich, Malchut weiblich. Jesod ist das Glied von Tiferet und befruchtet Malchut. Nur durch eine solche Verm\u00e4hlung konnte und kann Malchut die Welt geb\u00e4ren. Durch Malchut wird der Sch\u00f6pfung die Einwohnung Gottes, die Schechina eingepr\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<p>Malchut wird auch kleine Mutter genannt im Gegensatz zu Bina als grosse Mutter.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einem Midrasch kam es in der Einheit Gottes bei Sch\u00f6pfung des Menschen zu einer Auseinandersetzung insbesondere mit Engeln, die bef\u00fcrchteten, der Mensch k\u00f6nne sich von Gott abwenden und gegen ihn rebellieren, Gott m\u00f6ge doch von der Erschaffung des Menschen absehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier griff die weibliche Seite Gottes ein: Sie begebe sich mit den Menschen auf die Erde, sie gehe ins Exil. M\u00f6ge sich der Mensch von dem Ewigen abwenden \u2013 ich verlasse ihn nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Wird dieser Midrasch ernst genommen, ist eine Antwort auf die Frage: Ist Gott m\u00e4nnlich oder weiblich oder beides, nicht einfach zu beantworten.<\/p>\n\n\n\n<p>Malchut ist \u00fcberwiegender Ansicht nach noch nicht die sichtbare, materielle Erde. Einige Rabbinen greifen auf Platons H\u00f6hlengleichnis zur\u00fcck: Malchut sei das, was vor der H\u00f6hle geschieht.<\/p>\n\n\n\n<p>Rudolf Steiner begreift die zehn Sephiroth als geistige Buchstaben. Er sagt w\u00f6rtlich: <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eDenn kein Mensch sagt Ihnen heute, da\u00df diese zehn Sephiroth solche Buchstaben waren f\u00fcr die geistige Welt. Das k\u00f6nnen Sie sonst nirgends h\u00f6ren, das wei\u00df eigentlich heute kein Mensch!\u201c<\/p>\n<cite>Rudolf Steiner, GA 253,S. 217<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Wie oben bereits erw\u00e4hnt waren zu Steiners Lebzeiten die zehn Sephiroth wichtige Bausteine spirituellen j\u00fcdischen Lebens. Langsam \u00f6ffnen sich auch in christlichen Kirchen Menschen f\u00fcr diesen Schatz.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Schluss des Vortrages geht Steiner noch auf das Aleph- Beth ein, also auf die 22 hebr\u00e4ischen Buchstaben insbesondere auf Aleph. Er betont Aleph sei eigentlich der Mensch. Steiner geht von der jetzt gebr\u00e4uchlichen hebr\u00e4ischen Schrift, der sogenannten Quadratschrift aus. In dem Vortrag wird Aleph in etwa wie ein X gedruckt.<\/p>\n\n\n\n<p>Bel\u00e4sst man es bei den Ausf\u00fchrungen Steiners, ergibt sich kein exaktes Bild der hebr\u00e4ischen Schrift und ihrer Bedeutung.<\/p>\n\n\n\n<p>Die heute in Israel gebr\u00e4uchliche Quadratschrift wurde erst nach der Zerst\u00f6rung des ersten Tempels von den Aram\u00e4ern \u00fcbernommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zuvor gebrauchte man in dem gesamten vorderasiatischen Raum eine wohl von den Ph\u00f6niziern gepr\u00e4gte abstrakte Bilderschrift. Jeder Buchstabe stand sowohl f\u00fcr einen Begriff und eine Zahl. Diese Bilderschrift wanderte \u00fcber Griechenland nach Rom unter Verlust der zugeh\u00f6rigen Begriffe und Zahlen. Unser A z.B. &nbsp;entstand aus dem alten Zeichen f\u00fcr Aleph. &nbsp;Dieses Zeichen steht nicht f\u00fcr den Mensch sondern bedeutet \u201eKopf des Stieres\u201c. Stellt man unser A auf den Kopf, werden die H\u00f6rner des Stieres deutlich. Der zweite Buchstabe Beth wird von Steiner richtig mit \u201eHaus\u201c \u00fcbersetzt. Beth ist uns allen wg. der kleinen Stadt Bethlehem \u2013 Beth lechem = Haus des Brotes bekannt. Der sechste Buchstabe ist WAW. Er ist unser W. Waw ist f\u00fcr die Deutung von Aleph nach der heutigen Schreibweise wichtig. Waw hat die Bedeutung Haken, Waw ist ein Buchstabe, der verbindet. Er wird h\u00e4ufig f\u00fcr unser Wort \u201eund\u201c gebraucht.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir die lateinische Schrift mit der hebr\u00e4ischen vergleichen, erleben wir unsere Buchstaben auf der Grundlinie stehend, sie marschieren auf dieser unteren Linie wie einst r\u00f6mische Legion\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p>Die hebr\u00e4ischen Schriftzeichen h\u00e4ngen an der oberen Linie, sie stehen nicht auf der Grundlinie, sie tropfen wie aus einem Punkt, werden erst zu einem Tropfen, der als der Buchstabe Jod begriffen wird und entfalten sich erst dann zu den eigentlichen Buchstaben. Die obere Linie kann als Schwelle zur geistigen Welt begriffen werden. Die Buchstaben \u00fcberschreiten bis auf einen niemals diese Schwelle. Dieser Eine ist der Buchstabe Lamed. F\u00fcr Lamed steht nach Friedrich Weinreb der Begriff Ochsenstachel. Ein Ochsenstachel treibt Ochsen an. Die Ochsen sind \u2013 horribile dictu \u2013 nat\u00fcrlich wir Menschen. Lamed fordert uns auf, den m\u00fchsamen Weg der Ann\u00e4herung zur geistigen Welt, zu Gott \u2013 hebr\u00e4isch Halacha \u2013 zu beginnen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" width=\"145\" height=\"192\" src=\"https:\/\/anthroposophie.online\/WP\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Bild_2023-09-15_192636698.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-208\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Buchstabe Aleph<\/p>\n\n\n\n<p>Wird der Buchstabe Aleph nach der jetzigen Schreibweise angesehen, f\u00e4llt auf, dass er dreiteilig verstanden werden kann. Wir haben rechts oben und links unten nahezu identische \u201eTropfen\u201c, sie werden jeweils als Buchstabe Jod gelesen. Der Strich in der Mitte ist ein Waw. Also: Jod-Waw-Jod oder \u201eOben und Unten\u201c oder \u201eHimmel und Erde\u201c. Das einzige Lebewesen, das die geistige Welt und die Erde zu verbinden vermag, ist (nicht nur) nach j\u00fcdischer Auffassung der Mensch. Das Bild f\u00fcr Aleph kann deshalb gelesen werden: Geistige Welt-Mensch- irdische Welt. Waw ist demnach analog zum Menschen zu begreifen. Der Mensch ist das \u201eUnd\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn Rudolf Steiner die zehn Sephiroth als Buchstaben f\u00fcr die geistige Welt wertet (auf die Problematik dieser Auffassung gehe ich nicht ein), gilt dies erst recht f\u00fcr die hebr\u00e4ischen Buchstaben. Die 22 Buchstaben sind heilig. Sie haben ihren Platz zurecht im Sephirothbaum, jede der 22 R\u00f6hren steht n\u00e4mlich f\u00fcr einen Buchstaben. Die 10 Sephiroth und die 22 Buchstaben werden als die 32 Pfade der Weisheit betrachtet.<\/p>\n\n\n\n<p>Rudolf Steiner schliesst seinen Vortrag mit den Worten: <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eSehen Sie meine Herren, das ist dasjenige, was man gerade auch am Sephirotbaum lernen kann, wenn man ihn in der richtigen Weise begreift\u201c<\/p>\n<cite>Rudolf Steiner GA 253, S. 213<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Ob Rudolf Steiner diesem seinem Anspruch gerecht wurde, m\u00f6ge jeder selber beantworten.<\/p>\n\n\n\n<p>Da ich nichts \u00fcber die Wesentlichkeit der Zahlen des hebr\u00e4ischen AlephBeths geschrieben habe, soll hier ein Wort des Vorsitzenden der Friedrich Weinreb-Stiftung Heini Ringger stehen:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eEine alte Weisheit sagt, alles ist Zahl. Dazu z\u00e4hlt auch das kabbalistische Erz\u00e4hlen der Zahlen, Buchstaben und Worte. Doch ist es ein anderes Erz\u00e4hlen als das der numerischen Zahlen der globalen Digitalisierung und deren heutigen Anwendungen etwa in der k\u00fcnstlichen Intelligenz. Vor allem ist es ein anderes Erleben und ein anderes Tun. Die qualitativen Zahlen der Kabbala erz\u00e4hlen unser Leben vom Ewigen her und weisen auf unsere Ewigkeitsstruktur im zeitlichen Leben hin. Die quantitativen Zahlen vermessen unser Leben und unseren Kosmos von dieser zeitlichen Welt aus. Sie manifestieren sich als irdische Quantit\u00e4t der ewigen Qualit\u00e4t\u201c.<\/p>\n<cite>Heini Ringger<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Als Schluss ein Wort von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/David_Abulafia\">Abraham Abulafia<\/a>:<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><strong>Das Ziel<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Ziel der Heirat von Mann und Frau ist die Vereinigung<br>Das Ziel der Vereinigung ist Befruchtung<br>Das Ziel der Befruchtung ist Geb\u00e4ren<br>Das Ziel der Geburt ist Lernen<br>Das Ziel des Lernens ist, das G\u00f6ttliche zu begreifen.<\/p>\n<cite>Abraham Abulafia<\/cite><\/blockquote>\n\n\n<ol class=\"wp-block-footnotes\"><li id=\"14b8285d-cbcd-4f43-a0e9-60b042f212a7\">Rudolf Steiner: Die Geschichte der Menschheit und die Weltanschauungen der Kulturv\u00f6lker; GA 353 Vortrag v. 5.5.24 (&#8222;Arbeitervortr\u00e4ge&#8220;) <a href=\"#14b8285d-cbcd-4f43-a0e9-60b042f212a7-link\" aria-label=\"Zur Fu\u00dfnotenreferenz 1 navigieren\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Winfried Karitter Einige Bemerkungen zu der Zeichnung Rudolf Steiners am Ende meines Artikels \u00fcber die Sch\u00f6pfung aus dem&nbsp;Nichts unter Ber\u00fccksichtigung des Vortrages Rudolf Steiners vom 10. Mai 1924 (GA 353) &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Lichtgel\u00f6st&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;W\u00e4chst Deine Seele grasig&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Dennoch Du weisst&nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Am Seelenfaden ist eine Wurzel&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Und Deine Seele lichtumfangen&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Gleicht einer schimmernden Perlenschnur Rahel Mirjam Abraham Vortrag und Zeichnung vom 10. 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