Themen, die Anthroposophie im allgemeinen betreffen

Die Gedankenschau gezielt hervorrufen

Moderne heutige Geisteswissenschaft leistet, verglichen mit der alten Weisheitskultur, entscheidend mehr für die Lebenspraxis, denn sie kann die Geistesschau gezielt hervorrufen. Der alte Weisheits-Sucher konnte den Erkenntnisvorgang kaum steuern. Er wurde von der Geist-Erfahrung aufgesucht und quasi überwältigt. Ihm wurden isolierte Resultate gegeben und erratische Aussagen gemacht, ganz ohne eine Begründung, ohne Anbindung an bestehende Einsichten. Typisch dafür wäre etwa die chinesische Wahrsagekultur. Man legte Schulterblattknochen von Rindern oder Schildkrötenpanzer ins Feuer. Im Feuer bildeten sich auf den Knochen feine Risse und Flecken. Auf diese Linien-Omen kam es an. Man erriet, las und erschloss aus ihnen die Antworten auf seine Fragen. Und je schwächer im historischen Ablauf die eigentliche Schauensfähigkeit wurde, mit desto grösserer Intelligenzbemühung suchte man die Zeichen zu verstehen. Aus der endlosen hierfür aufgebrachten Interpretationsintelligenz entstand die überragende Kulturleistung der chinesischen Schrift, wie u.a. Dong Zuobin (1895-1963) nachwies. Nicht viel anderes ging beim Schafgarbenstengel-Orakel des I Ging vor sich. Von der Struktur her ist auch die Stundenschau, das Horoskop-Lesen der Chaldäer oder das Interpretieren des Lallens einer Pythia in Delphi nichts anderes. Immer identifiziert man irgendwelche omenartigen Zeichen, die unvermittelt aus einem Jenseits "gegeben" werden. Der Rätselgegenstand wird dann von einer Vielzahl von immer klügeren Deutern interpretiert. Diese Interpretationsleistungen sind von grosser Bedeutung. Aus ihnen bilden sich die Schrift- und Deutungssysteme und eine erste Denkkultur. Die eigentlichen Aussagen (die Knochenrisse, Trance-Aussprüche oder Sternenkonstellationen) treten unvermittelt, überraschend, unverbunden auf ­ wie Botschaften, die von jenseits einer Mauer herübergeworfen werden. Und sie wollen als Anweisungen befolgt werden; sie wenden sich nicht an den Verstand des Fragenden. Sie wollen nicht "verstanden" werden. Die Interpretationen und Gedanken werden ihnen als ein eigentlich Fremdes hinzugefügt. Sie gehören zu der erwachenden Kultur des Eigen-Denkens, die mit der Achsenzeit (circa 600 v. Chr.) die Wahrsage-Kultur ablöst. Die alte Geist-Erfahrung entfremdete den Schüler der Sinneswelt. Sie trennte irdische und geistige Kultur immer mehr. Heute kann die alte Art die geistig Suchenden nur zur einer Art Flucht aus unserer Zivilisation verleiten. Sie leistet eine moralische Stärkung, aber sie bleibt bei der konkreten Wirklichkeitserkenntnis allgemein, diffus, kann nicht helfen, ja macht hilflos. Um ihren eigenen Wert zu bekräftigen, leitet sie gerade zu dazu an, die irdische Kultur zu veröden. Um die irdische Kultur spirituell zu steigern, muss man seine Erkenntnisorgane und Erkenntnismittel ganz konkret auf die einzelnen irdischen Gegebenheiten ausrichten können, quasi wie eine Lupe oder ein Fernglas nach Wunsch auf jede Einzelheit fokussieren. Wo immer man es braucht, bei der erzieherischen Idee für ein Kind, bei der Frage einer Neuinvestition, beim Lösen eines Konflikts in einem Kollegium, beim Designen eines Produktes, beim Antwortfinden auf sich ändernde politische oder geistige Lagen: die…

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Inhaltsverzeichnis Nr. 13

Fragen und Beiträge zur Geistesforschung Markus Buchmann: Was ist - und wie betreibt man Bildekräfteforschung? Jürgen Brau: Michaels Zeichen - projektiv betrachtet Martin Barkhoff: Gedankenschau gezielt hervorrufen Berichte Willlhelm Motz: Hochschule in Entwicklung, Stuttgart 29./30. Nov 2025 Andreas Heertsch: Hochschule in Entwicklung, Stuttgart 29./30. Nov. 2025 xy: Zweites Kolloquium zur übersinnlichen Wahrnehmung im Zweig am Goetheanum Ankündigungen Hochschule in Entwicklung (Thema: meditative Anweisungen in den Klassenstunden), Kassel 29./30.11.26 Kolloquium zur übersinnlichen Wahrnehmung - Lesen im Buche des Lebens 16.1.27 (Save the Date) Editorial Liebe Leserinnen und Leser viel Freude beim Lesen!Andreas Heertsch

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Hochschule in Entwicklung 28./29.11.2025

Seit mehreren Jahren findet in Stuttgart ein jährliches Treffen statt, bei dem in offener Form an Mantren der Michaelschule gearbeitet wird. Begonnen wurde diese Arbeit in Hamburg. Intendiert ist ein überregionales Kolloquium mit 60 – 80 Menschen. In der Ankündigung der Tagung heißt es: Wie auch in den ersten fünf Kolloquien 2020 – 2024 in Hamburg und Stuttgart geht es um Entwicklungsperspektiven für individuelles und gemeinschaftliches Wirken innerhalb der Michaelschule. Die Vielfalt der bereits bestehenden Arbeitszusammenhänge und deren methodische Üb-Prozesse sollen weiter vertieft und wahrgenommen werden. Nach der Eröffnung und Begrüßung am späten Freitag Nachmittag holte uns Matthias Bölts mit einer einfachen Übung ab, indem er uns aufrief, uns nacheinander in verschiedenen Schritten zu vergegenwärtigen: Wo komme ich her? Wo befinde ich mich jetzt in Stuttgart? Was habe ich mitgebracht als Anliegen, als Frage? Es half uns, anzukommen, loszulassen und innere Ruhe herzustellen. Diese Übung schaffte eine Stimmung, aus der heraus wir einen Ton summend angestimmt haben, ihn verstärkend und abrupt abbrechend. Dasselbe stumm, nur innerlich aktiv. So entstand ein offener Raum, in den hinein er auf dem Flügel Arnold Schönberg spielte – in Memoriam Gustav Mahler. Das Bühnenbild mit den Planetensiegeln gab einen besonders stimmungsvollen Rahmen. Damit war der Boden bereitet – ergänzt mit einer Eurythmie im Plenum -, in den hinein Gerhard Stocker die Mantren der 17. Klassenstunde sprechen konnte, womit wir nach dem Abendessen in die Arbeitsgruppen gehen konnten. Es ist hier nicht der Raum, auf die Vielzahl der Gruppen thematisch einzugehen. Es waren zwölf (Eine Arbeitsgruppe musste wegen Krankheit ausfallen.). Ich möchte vielmehr versuchen, einen allgemeinen Eindruck wiederzugeben – so wie ich es persönlichwahrnehmen konnte. – Der Abend schloss im Plenum. Es wurde die erste Tafel gelesen und ein Spruch für Johannes Kiersch gesprochen. Mit einem musikalisch-meditativen Ausklang gingen wir in die Nacht. Der folgende Tag begann im Plenum mit einem musikalisch-meditativen Auftakt. Nachdem die zweite Tafel gelesen wurde, ging es wieder in die Arbeitsgruppen. Man sollte diesmal in eine andere Arbeitsgruppe gehen. Die Absicht war, dass die Teilnehmer des Kolloquiums Gelegenheit bekommen sollten, mehrere Üb-Ansätze kennenzulernen. An dieser Stelle sei den Menschen ein herzlicher Dank ausgesprochen, die durch die Anleitung in den Gruppen zur Verfügung stellten, was sie sich forschend erarbeitet haben! Im Plenum wurde zusammengetragen, was in der einen oder anderen Gruppe gearbeitet und erlebt wurde. Die Gedanken haben eine große Tafel gefüllt. Natürlich ist nicht Alles unmittelbar zu sagen. Manches muss erst im Stillen weiter bewegt werden … bleibt Frage oder kann noch nicht in Worte gefasst werden. Es ging sicher nicht nur mir so. Ich war zunächst in der Gruppe von Dorian Schmidt und am Samstag…

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Michaels Zeichen – projektiv betrachtet

Michaels Zeichen – projektiv betrachtet Das Zeichen Michaels, das am Ende jeder Klassenstunde in den Raum "gezeichnet" wird, konkretisiert sich durch die individuelle Armbewegung des bzw. der Vorlesenden – es ist ein Bewegungszeichen. Im Kontext der projektiven Geometrie handelt es sich um eine "harmonische Grundfigur": ein "vollständiges Vierseit", das in ein "vollständiges Viereck" verwandelt werden kann. Vollzieht man diese Verwandlung innerlich mit, wird erlebbar, wie "moralische Intuitionen" zu freien, michaelischen Taten befähigen, wenn man sie mit "moralischer Fantasie" ausführt. In dem halben Jahr vom 15.2.1924 bis 2.8.1924 entfaltete Rudolf Steiner in 19 Klassenstunden den Schulungsweg der Michaelschule. Die Londoner Klassenstunde vom 27.8.1924 beendete Steiner erstmals1 mit Zeichen und Siegel Michaels, "gedrückt" auf den dreifachen, durch unterstützende Gesten bekräftigten und seine Bedeutung erläuternden Rosenkreuzerspruch. Dabei kann einem die Bedeutung des Michaelzeichens zur Frage werden. Die nachstehenden Betrachtungen sind ein Versuch2, das Zeichen Michaels verstehen zu wollen, getragen von dem Erleben, dass insbesondere die projektive Geometrie zu dieser Frage etwas beizutragen hat.3 Michaels Zeichen Abb. 1: Das Zeichen Michaels im Vierseit Auf den ersten Blick umfährt man mit dem Michaelzeichen zwei Dreiecke und ein so genanntes "Drachen"-Viereck. Denkt man die vier Strecken projektiv als Geradenabschnitte, so hat man ein "vollständiges Vierseit" vor sich – "vollständig", weil sich die vier Geraden in sechs Punkten schneiden. Geraden und Punkte sind in der projektiven Geometrie duale Elemente: Vier Geraden in allgemeiner Lage schneiden sich stets in sechs Punkten, und durch vier Punkte lassen sich immer sechs Geraden zeichnen.4 Abb. 2: Die harmonische Grundfigur Verbindet man nun im obigen vollständigen Vierseit je zwei "gegenüberliegende" Punkte durch drei Geraden, erhält man das "Nebendreiseit" (blau), dessen Seiten sich in den drei Eckpunkten des "Nebendreiecks" schneiden. Von jeder Ecke des Nebendreiecks lassen sich zwei weitere Geraden durch je zwei Punkte des vollständigen Vierseits zeichnen. Dadurch entstehen insgesamt sechs neue Geraden (grün), die ein vollständiges Viereck bilden (rot gefärbt), das ursprüngliche Drachenviereck umhüllend. Von diesem vollständigen Viereck ausgehend könnte man auf umgekehrtem Wege das ursprüngliche vollständige Vierseit mit dem Michaelzeichen darin konstruieren. Den Zusammenhang von Vierseit und Viereck bezeichnet man als "harmonische Grundfigur" – auch "13er-Gebilde" genannt, denn zu den 4 Seiten des vollständigen Vierseits korrespondieren 6 Punkte, die auf den 3 Seiten des Nebendreiseits liegen, wobei die 3 Ecken des zugehörigen Nebendreiecks Anlass geben zu den 6 Geraden und den 4 Punkten des vollständigen Vierecks. Die harmonische Grundfigur in der Ebene ist zu sich selbst dual: Alle in ihr vorkommenden Punkt- und Geradenvierlinge liegen zueinander "harmonisch", das heißt entsprechende Geradenabschnitte stehen im "Doppelverhältnis", das bei Zentralprojektionen unverändert bleibt. Der Innenraum Abb. 3: Im Michaelzeichen Die Geste des Michaelzeichens drückt aus, wie aus moralischen…

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Was ist und wie betreibt man Bildekräfteforschung

Auf den Spuren der Lebendigkeit Ein methodologischer Essay zur Bildekräfteforschung Die Bildekräfteforschung macht es sich zur Aufgabe, den Bereich des Lebens auf unserer Erde so zu erforschen, dass zu den naturwissenschaftlichen Disziplinen der Physik, der Chemie und der Biologie ein Verständnisbereich dazugesellt wird, der erlaubt, Lebendigkeit als unmittelbares Wirken von geistigen Gesetzmässigkeiten zu erleben. Dazu muss das begriffliche Auffassungsorgan, das Denken, zu einem Wahrnehmungsorgan für nichtsinnliche Erscheinungen des Lebens umgestaltet werden. Dieses Unterfangen wird u.a. anhand von Texten von SCHILLER, NOVALIS, RUDOLF STEINER und zuletzt HILDEGARD VON BINGEN beschrieben. Das Körper-Geist-Problem Am 26. Mai 1789, nur wenige Wochen vor dem Ausbruch der französischen Revolution, hielt Friedrich Schiller unter dem Titel „Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte?“ 1 seine berühmt gewordene Antrittsvorlesung als Professor an der Universität Jena. Mit seinem dramaturgischen Genie brachte er das überfüllte Auditorium zum Kochen und die Jenaer Studentenschaft feierte den Autor der „Räuber“ und des „Don Carlos“. Bevor Schiller versucht, in Abgrenzung zur allgemeinen Weltgeschichte, die nur die Bruchstücke des geschichtlichen Stromes zusammensammelt, in der von ihm postulierten Universalgeschichte einen durch alle geschichtlichen Geschehnisse wirkenden Weltgeist zu finden, führt er eine polarisierende Unterscheidung zweier sich widerstrebender wissenschaftlicher Haltungen ein. Den Vertreter der einen Haltung nennt er den „Brotgelehrten“, ein „beklagenswerther Mensch, der mit dem edelsten aller Werkzeuge, mit Wissenschaft und Kunst, nichts Höheres will und ausrichtet, als der Taglöhner mit dem schlechtesten! der im Reiche der vollkommensten Freiheit eine Sklavenseele mit sich herumträgt!“ 2, den anderen den „philosophischen Geist“:  „… Wo der Brotgelehrte trennt, vereinigt der philosophische Geist. Frühe hat er sich überzeugt, daß im Gebiete des Verstandes, wie in der Sinnenwelt, alles ineinandergreife, und sein reger Trieb nach Übereinstimmung kann sich mit Bruchstücken nicht begnügen. Alle seine Bestrebungen sind auf Vollendung seines Wissens gerichtet; seine edle Ungeduld kann nicht ruhen, bis alle seine Begriffe zu einem harmonischen Ganzen sich geordnet haben, bis er im Mittelpunkt seiner Kunst, seiner Wissenschaft steht und von hier aus ihr Gebiet mit befriedigtem Blick überschauet.“ 3 Damit hat er sich, man kann es sich denken, nicht nur Freunde gemacht. Nur ein paar Wochen darauf wird ihm das Führen des Titels „Professor für Geschichte“ untersagt. Er sei „nur“ für Philosophie eingestellt worden. Allerdings kann seine urbildliche Beschreibung dieser unterschiedlichen Blickweisen auf die wissenschaftliche Arbeit bis heute eine Grundlage für die Bildung weit über das Wissenschaftliche hinaus bieten. Einer ähnlichen Polarisierung, und das ist hier das Wichtige, stellte sich Schiller zehn Jahre zuvor in seinen medizinischen Dissertationsversuchen, wo er zwischen einem „physiologischen Materialismus“ und einer „enthusiastischen Liebesphilosophie“, in der die überzeitliche menschliche Seele zum Ausdruck komme, zu unterscheiden sucht.4 Medizin und Philosophie waren…

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Hochschule in Entwicklung, Stuttgart 22./23.11.2024 – Tagungsbericht

Zu dieser Tagung gibt es einen weiteren Bericht von Matthias Bölts Vor der ersten Veranstaltung (Ankündigung hier) sitzen im Vortragssaal zwei Teilnehmer nebeneinander und kommen ins Gespräch. Nach dem Austausch einiger Floskeln wird es interessant: Reiseveranstalter Sie sind also Kartograf. Was machen Sie da genau? Kartograf Ich mache aus älteren, oft schwer lesbaren Karten neue, wenn es gut geht: verfeinerte Karten. Und Sie? Reiseveranstalter Ich bin Reiseveranstalter. Kartograf Benutzen Sie für Ihre Reisen Karten? Reiseveranstalter Selten. Meist weiß ich, wo ich bin. Reiseveranstalter (wechselt das Thema) Haben Sie sich schon für eine Arbeitsgruppe eingetragen? Kartograf Ja, ich gehe zu Wolfgang Kiltau. Bei ihm geht es um den kosmischen Menschen. Reiseveranstalter Warum gehen Sie gerade zu ihm? Kartograf Weil ich da erwarten darf, dass sich aus dem Umgang mit klaren Begriffen neue Perspektiven ergeben. Und Sie? Reiseveranstalter Ich gehe zu Gunhild von Kries und Stephan Hartmann. Sie machen eine Art Aufstellung von Luzifer und Ahriman im Verhältnis zum Christus. Kartograf Da würde ich ja nicht hingehen! Reiseveranstalter Warum nicht? Kartograf Das wird wieder so eine Mysterienspielerei mit Hochschulmantren sein. Reiseveranstalter Das klingt aber sehr abwertend! Kartograf Die wissen doch gar nicht, wovon sie sprechen: keine klaren Begriffe! Reiseveranstalter Haben Sie da denn schon mal teilgenommen? Kartograf Ich habe mir berichten lassen. Reiseveranstalter (etwas verärgert) Sagen Sie mal, unter Ihren Begriffswerkzeugen bleibt die Erfahrung der Geistesgegenwart doch ziemlich blass. Es folgt eine längere Ausführung des Kartografen über den Wert des Studiums und der dazugehörigen klaren Begriffe, die jeder Geist-Erfahrung vorauszugehen hätten, die wir hier aber überspringen. Reiseveranstalter Ich habe mal jemanden kennengelernt, der ähnlich argumentierte, aber ich hatte den Eindruck, er ersetzt die Erkenntnisdramatik lieber durch Erkenntnisgrammatik, weil er sich vor der wirklichen Geist-Erfahrung fürchtet. Kartograf fühlt sich nicht verstanden und macht eine kleine Ausführung über ‹Beobachtung des Denkens als erste Geisterfahrung›. Reiseveranstalter (macht daraufhin folgenden Vorschlag) Ich komme mit in Ihren Kurs mit Wolfgang Kiltau – und Sie dafür mit mir zu Stefan Hartmann und Gunhild von Kries. Kartograf Das ist für Sie aber leichter als für mich! Reiseveranstalter Falls Sie meinen, Kiltau läge mir mehr als Ihnen von Kries und Hartmann, kann ich Sie beruhigen: Ich wäre von mir aus nicht auf die Idee gekommen, zu Kiltau zu gehen. Kartograf Warum nicht? Reiseveranstalter Zu begrifflich! Kartograf Schon mal da gewesen? Reiseveranstalter Nein – eben, deswegen mein Vorschlag! Kartograf (lenkt ein) Also gut. Reiseveranstalter Aber ohne Vorurteile! Kartograf problematisiert nun in einer kurzen Ausführung die Frage: Wann weiß ich, dass ich unbefangen bin? Reiseveranstalter Gebongt! Trotzdem: ohne vorsätzliche Vorurteile! Kartograf Das ist doch selbstverständlich! Reiseveranstalter nickt stumm. Reiseveranstalter und Kartograf treffen sich abends, nachdem sie…

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Bericht: Hochschule in Entwicklung

Dieser Artikel ist auch für die Publikation in den „Mitteilungen aus der Anthroposophischen Arbeit in Deutschland" vorgesehen. Ein weiterer Bericht zur gleichen Tagung ist hier. Hochschule in Entwicklung Vom übenden Umgang mit den Mantren der Klassenstunden Das zurückliegende Kolloquium in Stuttgart stand inhaltlich im Zeichen der Mantren der 14.Klassenstunde. Diese wurden in acht Arbeitsgruppen auf sehr unterschiedliche Art und Weiseerarbeitet. In einem anschließenden Plenumsgespräch wurde die methodische Vielfalt derArbeitsansätze deutlich. Der Stil der Zusammenkunft war geprägt durch Dialog, Interesse an derSache, dem Stehenlassen-Können des Verschiedenen, Bereitschaft zum Mitmachen und dem Verzicht auf Belehrung von Anwesenden oder Nicht-Anwesenden. Hilfreich für die Arbeit war der Einstieg durch eurythmische Übungen, die sich einerseits auf den Kontakt zur eigenen Leiblichkeitund zum seelischen Umraum bezog, andererseits in der eurythmischen Gebärde des L durch dieVerbindung seiner Substanz-zugewandten Seite und seiner auflösenden Tendenz die Essenz derMantren ins Erleben brachte. Ein weiteres künstlerisches Element waren die folgenden Hörübungen, in denen es darum ging, das Hören zu aktivieren und zu weiten, so dass es „schwellenfähig“ wird.inhaltliche Impulsreferate zum Thema „Mitte bilden“ und „Was bedeutet hörendes Meditieren?“ wurden in Kleingruppen und im Plenum verarbeitet. Das Kolloquium steht im Zeichen von Hochschule in Entwicklung. Damit ist nicht das aktive,zielgerichtete Entwickeln der Hochschule durch einzelne Menschen gemeint, die meinen zu wissen, was sein soll, sondern das Öffnen von Räumen, in denen Entwicklung sich ereignen kann.grundlegende Bedingung dafür ist Bewegung und Wärme. Insofern versteht sich die Initiative selbst auch als eine übende, werdende, im Prozess-befindliche. Hochschule in Entwicklung steht für einen Potentialraum an Initiative. Verabredet ist eine weitere Fortsetzung der Kolloquien zum „übenden Umgang mit den Mantren der Klassenstunden“ am 14. und 15. November 2025. Für die kommenden Jahren sind auch inhaltlich anders ausgerichteten Initiativen in Vorbereitung. Eine der zentralen Fragen, die im Blick auf eine sich entwickelnde Hochschule zu erforschen ist,bezieht sich auf die Darstellungen Rudolf Steiners am 30. Januar 1923 (GA 257) zu den drei Schritten der Anthroposophie: „So beginnt Anthroposophie überall mit Wissenschaft, belebt ihreVorstellungen künstlerisch und endet mit religiöser Vertiefung; ... So sollen wir auf dem Wege derAnthroposophie ausgehen lernen von der Erkenntnis, uns erheben zur Kunst und endigen inreligiöser Innigkeit.“ Jede Meditation vollzieht diesen Dreischritt von der Form zum Wesen. Könnte es sein, dass die drei Schritte der Anthroposophie auch für die Ausgestaltung der Arbeitsformen der Hochschule gelten? Wie könnten Formen aussehen, in denen „religiöse Vertiefung, religiöseInnigkeit“ im Sinne geistiger Kommunion und Partizipation für eine Gemeinschaft von Menschen auf Hochschulebene möglich werden? Ist der Vortrag Rudolf Steiners in der Brandnacht am 31.12.2022 zur geistigen Kommunion, in welchem es um spirituelle Erkenntnis als kosmischer Kultus geht, heute ein Auftrag an die Hochschule, nach…

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Elohim und JHWH – höchste Gottheit oder Engelwesen?

János Darvas Elohim and YHWH - supreme deity or angelic beings?"Then new horizons lure the mind's advance. /There comes no close to the finite's boundlessness,/ There is no last certitude in which thought can pause/ And no terminus to the soul's experience.”AurobindoThe questionThe question arises from Rudolf Steiner's presentations in which he uses words from the Hebrew Bible that seem to have a completely different meaning than those received in the Jewish tradition. Is the deity addressed as Elohim, or YHWH, the ultimate creator deity, or are they designations for hierarchical beings (in anthroposophical terms: Elohim => Exusiai => Spirits of Form) located at a certain medium level, which Rudolf Steiner disposes according to the ninefold Christian system of Dionysus Areopagita. Since there are other designations of God in the Torah and tradition (Jah, Ts'waot, Shaddai, El, Elyon, Adonai, Adon etc.) the further question arises as to whether these are angelic beings of whatever order. Or not. I will leave out these other names and concentrate on the two most important names Elohim and YHWH, (but mainly Elohim). I will list a few glosses below, disparate questions in no systematic order. I can’t either propose a definitive “solution” to these questions. By moving those topics in the space of free thinking, something – to say it in French – “se donne à penser de façon subtile”. Not an angelic hierarchyThe view that Elohim or YHWH belong to a hierarchical sub-genus of beings and do not denote the supreme deity speaks against this:• The conviction of the Jews that they are praying to the highest Creator God when they mention these names. (Possible objection: they may be wrong)• In the daily main prayer (Amida), God is addressed as El Eljon (Highest God) (Objection: it is perhaps only the relatively highest God, the one that Jewish knowledge, limited in the eye of of Christian supersessionism, can just reach). However, according to Jewish tradition, after Abraham's encounter with Melchizedek, the high priest of El Elyon, he also becomes a partaker of this deity. (From an anthroposophical, supersessionist point of view, Emil Bock does not attribute this to him; he had only become a bearer of a inferior reflection of the Highest through the sphere of the moon).• The sentence from the Passover Haggadah: He Himself brought us out of Egypt - He Himself, not a "malach" (angelic being).• The mystical-theosophical doctrine of the "Sarim" (Princes), which are folk spirits related to the planets that lead large groups of humanity. Every nation has a "Sar", but Israel, according to this tradition, does not; it is under the direct…

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Konstitution der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft

Anlass Bei der 4. Konstitutionstagung hatte ich einen Beitrag zu diesem Thema vorbereitet. Durch eine Programmumstellung kam es aber nicht zu meinem Beitrag. Deshalb sei er hier - ausführlicher - publiziert. Nach der Übernahme der Herausgeberschaft für diese Korrespondenzblätter wollte ich den Titel ändern in "Korrespondenzblätter für die Freie Hochschule für Geisteswissenschaft". Zu meiner Überraschung stiess ich bei einigen Autoren auf dezidierten Widerstand, da sie mit der Hochschule, wie sie gegenwärtig verfasst ist, schlechte Erfahrungen gemacht hatten. Dies veranlasste mich zu grundsätzlichen Betrachtungen über den Zustand der Hochschule und dazu, eine kleine Forschungsrunde ins Leben zu rufen, die sich mit den geistigen Hintergründen dieser Schule (übersinnliche Michaelschule) beschäftigt, da ich diese Hintergründe nicht nur mit Hilfe von Zitaten beschreiben mochte. Ansatz Ich werde im Folgenden hauptsächlich Selbsterlebtes erzählen, da ich den Eindruck habe, dass sich so manche(r) in diesen Erlebnissen wiederfinden können wird. Er oder sie wird nicht die gleichen Erlebnisse gemacht haben, aber ich hoffe, dass gerade diejenigen, die sich verärgert oder verletzt von der Hochschule abgewendet haben, im Beschriebenen (prinzipielle) Ähnlichkeiten entdecken können. Vorgeschichte Gemäss Hinweisen Rudolf Steiners (z.B. GA 240, 18.7.24) gab es eine Michaelschule im Übersinnlichen, in der die heutigen Verantwortungsträger auf ihre kommende Verkörperung vorbereitet wurden. Wenn man versucht, sich an die Lehrinhalte dieser Schule zu erinnern, so kann man sich bemühen, seine eigenen vorgeburtlichen Entschlüsse unter den von Rudolf Steiner beschriebenen Lehrthemen zu besichtigen. Diese Entschlüsse erscheinen einerseits als Ideale besonders in der Jugendzeit. Aber auch Lebensmotive, die während der Biographie an Stellenwert gewinnen, lohnen sich unter diesem Blickwinkel zu betrachten. In der bereits erwähnten Forschungsrunde wurde deutlich, dass die Wachheit für die Vielfalt der damals vermittelten Themen bei den damaligen Schülern recht unterschiedlich gewesen sein muss: Jeder hörte besonders das, wofür er "Ohren" hatte. Und diese Ohren waren ebenso unterschiedlich: von hellhörig bis fast taub. So jedenfalls wird - prima vista - verständlich, dass wir uns hier unter den Repräsentanten so unterschiedlich vorfinden. Gründung der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft Rudolf Steiner gründet an der Weihnachtstagung 1923/24 diese Michaelschule als "Freie Hochschule für Geisteswissenschaft". "Gründen" meine ich in diesem Fall wörtlich: es ist ein (rosenkreuzerischer) Versuch, dieser Michaelschule ein irdische Einrichtung anzugliedern. Gemäss Mitteilungsblatt () sieht er die Arbeit mit den Jungmediziernern im Anschluss an die Weihnachtstagung bereits als erste Arbeit innerhalb der Hochschule, noch bevor er mit den Klassenstunden beginnt. Gemäss Statuten behält er sich die Ernennung eines Nachfolgers für die Hochschule vor. Er ernennt aber keine Nachfolger mit entsprechenden Folgen für die Verfassung der Allgemein Anthroposophischen Sektion. Die Hochschule sollte in 3 Klassen eingeteilt werden. Davon ist aber nur das erste Drittel der 1. Klasse durch…

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Wahrheit in der Geistesforschung und der übersinnlichen Wahrnehmung

Thomas Mayer Anlässlich des Erstes Kolloquium zur übersinnlichen Wahrnehmung in Dornach am Sa. 2. November 2024. (Version 11.11.2024) Was ist Geistesforschung und übersinnliche Wahrnehmung? Übersinnliche Wahrnehmungen werden nicht durch die physischen Sinne vermittelt, sondern durch übersinnliche Wahrnehmungsorgane. Übersinnliche Wahrnehmungen sind eigentlich nichts Besonderes, alle Menschen haben sie fortwährend, bemerken es aber nicht. Alle Menschen erleben Stimmungen im Zwischenmenschlichen und Atmosphären von Orten und Landschaften. Diese Stimmungen kann man nicht sehen, sondern nur fühlen. Für das Fühlen gibt es aber kein physisches Sinnesorgan. Dazu benötigt man astrale Wahrnehmungsorgane. Auch die eigenen Körperwahrnehmungen bestehen zu einem großen Teil aus ätherischen und astralen Wahrnehmungen. Jeder hat Gedanken und Vorstellungen. Auch dafür gibt es kein physisches Sinnesorgan, sondern es sind übersinnliche Wahrnehmungen. Geistig betrachtet sind Gedanken und Vorstellungen Formungen im Ätherleib, beseelt von Elementarwesen und inspiriert von Geistwesen. Da die meisten Menschen keine Begriffe für solche übersinnlichen Erfahrungen haben und gleichzeitig in der materialistischen „Gehirnwäsche“ aufgewachsen sind, dass nur die materielle Welt real sei und wir nur diese wahrnehmen könnten, werden diese übersinnlichen Wahrnehmungen weginterpretiert. Wir haben sie, aber wir vertuschen sie durch ein wirklichkeitsfremdes Denken. Übersinnlich betrachtet ist das eine Durchsetzung der menschlichen Wesensglieder mit ahrimanischen Geistern, was zu der von Rudolf Steiner beschriebenen Inkarnation Ahrimans gehört. Für viele Menschen ist es ein sehr großer Schritt die materialistische mentale Zwangsjacke abzulegen, die ahrimanischen Besetzungen aus sich herauszuschaffen und sich selbst zuzugestehen, dass sie übersinnliche Wahrnehmungen haben. Das wird dadurch erschwert, dass es andererseits übertriebene Vorstellungen von übersinnlichen Wahrnehmungen gibt. Diese Wahrnehmungen sind meist nichts Spektakuläres, sondern klein, bescheiden und zurückhaltend. Ich kann aus meiner eigenen Erfahrung bestätigen, dass in den Menschen ein großer ungehobener Schatz an Möglichkeiten verborgen liegt. Ich leite seit 2005 pro Jahr etwa vierzig Kurse in Anthroposophischer Meditation mit jeweils einer Einführung in das Wahrnehmen von Elementarwesen. Jedes Mal bin ich überrascht, wie gut das bei der Mehrzahl der Kursteilnehmer nach einer entsprechenden meditativen Vorbereitung geht. Die Erlebnisse sind oft eindeutig und bestätigen sich gegenseitig. Es geht dabei vor allem darum, Erlebnisse ernst zu nehmen, die man normalerweise übergeht. Wir haben alle viel mehr Möglichkeiten für übersinnliche Wahrnehmungen als wir glauben. Die Wiederkehr des Christus im Ätherischen Nach Rudolf Steiner hängen diese Möglichkeiten auch mit der Erscheinung des Christus im Ätherischen im 20. Jahrhundert zusammen. Dieses Christus-Ereignis hat Auswirkungen auf die Bewusstseinsmöglichkeiten jedes Menschen. Rudolf Steiner beschreibt das so: „Was eintreten kann, das wird das sein, dass die Menschen die neue Fähigkeit eines Wahrnehmens im Ätherischen werden erlangen können – eine gewisse Anzahl von Menschen wenigstens zunächst –, und die andern werden immer mehr und mehr nachrücken, denn 2500 Jahre wird die Menschheit Zeit…

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