Hochschulkolloquium Stuttgart 22./23.11.24: Hochschule in Entwicklung
HS in Entwicklung V - 11.2024Herunterladen
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Die Anthroposophische Gesellschaft hat sich zum Ziel gesetzt, eine neue, ideologiefreie, spirituelle Kultur zu begründen. Sie stützt sich dabei bisher hauptsächlich auf die geisteswissenschaftlichen Forschungsergebnisse Rudolf Steiners. Sind diese Ergebnisse nur für Rudolf Steiner erreichbar gewesen, oder werden sie von anderen übersinnlich Wahrnehmenden gestützt und ggf. ergänzt? Seit Beginn dieses Jahrhunderts treten vermehrt Menschen in Erscheinung, die von ihren übersinnlichen Erfahrungen und Forschungen auf Basis des anthroposophischen Schulungsweges berichten. Wir meinen, es ist an der Zeit, dass wir diese Entwicklungen des Bewusstseins berücksichtigen und mutig einen gesunden und sachlichen Boden für einen Austausch über übersinnliche Erfahrungen anstreben. Deshalb wollen wir zu einem Kolloquium einladen, um an Hand einer Reihe von Fragen einen Austausch zu ermöglichen mit Menschen, die in der Lage sind, von ihren eigenen spirituellen Erfahrungen zu erzählen. Wie entsteht eine übersinnliche Wahrnehmung? Welche Rolle spielt die Individualität beim Wahrnehmen im Übersinnlichen? Wo liegen Quellen des Irrtums? Wie sieht eine wissenschaftlich begründete übersinnliche Forschung aus? Lässt sich eine Sprache finden, die einen Austausch eigener Erfahrungen so ermöglicht, dass Zuhörende in die Lage versetzt werden können, das Erzählte nachzuerleben? Hiermit möchten wir Sie einladen, nach Dornach zu kommen, mit uns dieses grundlegende Gespräch zu führen. Wir haben zunächst als Zweig am Goetheanum die Initiative in die Hand genommen, stehen aber gleichzeitig in Kontakt mit der Goetheanum-Leitung. Im weiteren möchten wir im Zweig am Goetheanum einen Boden für eine anschliessende Reihe von Einzelvorträgen mit praktischen Übungen über übersinnliche Wahrnehmungen vorbereiten. Der geplante Ablauf des Kolloquiums am 2. Nov. 2024 9:00 – 18:30 in der Rudolf Steiner Halde: 9.00 - 9:15 Begrüssung9.15 - 10:45 Evtl. kurze Eurythmie zum Ankommen und Warmwerden im Plenum oder Ähnliches, anschliessend moderiertes Gespräch mit 3 eingeladenen Teilnehmern, daran anschließend Gespräch im Plenum. 10.45 – 11.15 Pause. 11.15 – 12.30 praktische Üb-Einheiten in Gruppen12.30 – 14.00 Mittagspause14.00 – 15:30 Moderiertes Gespräch mit 3 anderen eingeladenen Teilnehmern anschließend: Gespräch im Plenum15.30 – 16.00 Pause16.00 – 17.15 praktische Üb-Einheiten in Gruppen17.15 – 17.30 Pause17.30 – 18.30 Plenum18.30 Ende Für die Initiative: Ronald Templeton, Gottfried Caspar, Ingrid Caspar, Andreas Heertsch. Margarete Jäckel, und Dorothea Templeton. Ihre Teilnahme haben zugesagt: Corinna Gleide, Gunhild von Kries, Frank Burdich, Thomas Mayer, Karsten Massai,Dorian Schmidt Wir bitten um Anmeldung () bis 14. Oktober 2024, da die Teilnehmerzahl begrenzt ist. Unkostenbeitrag erwünscht.
Liebe Freundinnen und Freunde, wir möchten herzlich einladen zu den kommenden Wochenenden "Verbindung mit dem höheren Selbst - Einführung in Anthroposophische Meditation".Wir zeigen viele verschiedene Herangehensweisen an die Meditation in der Suche nach der Verbindung zu den eigenen geistigen Quellen. Am Nachmittag üben wir das Wahrnehmen von Elementarwesen. Die Wochenenden sind intensiv und auch für eine Wiederholung geeignet. Für weitere Informationen jeweils auf das Datum klicken. Quellhof (bei Crailsheim): 14.-16. Juni 2024Dornach: 5.-7. Juli 2024Der Quellhof ist ein schönes anthroposophische Landhaus im Naturschutzgebiet der Jagst zwischen Stuttgart und Nürnberg. In Dornach meditieren wir Umkreis des Goetheanums.Für Kurzentschlossene bieten wir zu Pfingsten einen Kurs "Verbindung mit der Engelwelt" auf Englisch/Tschechisch in Prag an: Prag 17.-19. Mai 2024Es gibt außerdem noch Plätze für folgende Kurse: Paneurythmie in Dornach: Fr. 31.5.-So. 2.6.2024Kathedrale von Chartres: Sa. 17. bis So. 25. August 2024Meditationsschulung Rosenwaldhof (bei Berlin), Start: 20.-25. Okt. 2024Meditationsschulung Schloss Hohenfels (Bodensee): Start: 27.10. bis 1.11.2024 Eine spirituelle Vertiefung halten wir als eine richtige Antwort auf die Krisen dieser Welt.Während des Ersten Weltkrieges sprach Rudolf Steiner deutlich über höheren Sinn dieser schrecklichen Ereignisse. Seine Worte passen auch in unsere Gegenwart:„Alle Kämpfe, welche noch zu bestehen sein werden im fünften nachatlantischen Zeitraum,sie werden nur ein äußerer Ausdruck sein (…) des Gegensatzes von Materialismus und Spiritualismus. Denn wie sich die Dinge auch verbergen - hinter den unendlich traurigen Ereignissen der Gegenwart liegt der Kampf des Materialismus gegen den Spiritualismus. Dieser Kampf muß ausgefochten werden. Verschiedene Formen wird er annehmen, aber er muß ausgefochten werden, weil die Menschen all das werden ertragen lernen müssen, was notwendig ist zu ertragen, um sich die spirituelle Weltanschauung (…) zu erwerben. Und man kann sagen: Es muß viel gelitten werden, aber nur aus Schmerzen und Leiden geht das hervor, was die Erkenntnis wirklich mit unserem Selbst verbindet.“(Rudolf Steiner, Dornach, 15. Januar 1917, GA 174) InterviewDie Filmemacher Beatrice v. Moreau und George Inci haben ein sehenswertes Interview mit Agnes zur Anthroposophischen Meditation und ihrem persönlichen Weg veröffentlicht.Agnes Hardorp ist Meditationslehrerin, Musikerin und Eurythmistin. In diesem Interview erzählt sie prägende Erlebnisse auf ihrem persönlichen Lebensweg und berichtet von ihren Erfahrungen in den Meditationsseminaren, die sie seit bald 20 Jahren gibt. Sie erklärt, was die anthroposophische Meditation auszeichnet und wie das Bewußtsein des westlichen Menschen abgeholt wird. Gleichzeitig bildet die Meditation die Basis für soziale Wärme und Gemeinschaftsbildung und schafft Liebe zwischen den Menschen. Beatrice v. Moreau und George Inci stellen immer wieder prägnante Fragen. Es ist ein Gespräch zum Eintauchen.Der Trailer mit Ausschnitten dauert 4 Minuten. Das gesamte Video dauert 1 Stunde 18 Minuten und kann ausgeliehen oder gekauft werden bei: vimeo.com/ondemand/agneshardorp Anmeldung und Fragen: Thomas.Mayer@geistesforschung.org Weitere…
Auslöser 2019 wurde ich gebeten, im Rahmen der gemeinsamen Jahresfeiern der Zweige um das Goetheanum eine Ansprache für die Osterfeier (55 min) zu halten. Versuchseise habe ich damals das Passionsgeschehen aus der Sicht von Judas, Petrus und Pilatus geschildert. (Es schloss sich dann ein Gespräch über die Pilatusfrage: "Was (Wer) ist Wahrheit" an). 2024 kam eine weitere Bitte für eine Ansprache im gleichen Rahmen wieder für eine Osterfeier. Diesmal war eine Vorgabe eine russische Michaelslegende, in der Michael als Rebell, der vom Kreuz nicht weichen und den Tod des Christus an der ganzen Erde rächen will. Diese Legende widersprach meinem Bild, dass ich mir auf Grund des Studiums der entsprechenden Hinweise Rudolf Steiners gemacht hatte. Das veranlasste mich, nun meinerseits eine Erzählung (16 min) anzufügen. Diese Erzählung ist das Ergebnis eines Versuchs, das Passionsgeschehen aus der Perspektive von Michael zu schildern. Wie kann man sich vorbereiten, diese Perspektive einzunehmen? Vorbereitung In einem frühen Vortrag schildert Rudolf Steiner die Bedingungen, um in der Akasha-Chronik lesen zu können: Opfer des Intellekts GA265 S. 29f «daß man seine eigenen Gedanken zur Verfügung stellt diesem Prinzip, dieser Kraft und diesen Wesenheiten, die wir in der theosophischen Sprache die Meister nennen. 1 Denn letzten Endes muß uns der Meister die nötigen Anweisungen geben, um die Akasha-Chronik lesen zu können. Sie ist geschrieben in Symbolen und Zeichen, nicht in Worten einer jetzt bestehenden oder einer der bestanden habenden Sprachen. Solange man nur die Kraft anwendet, die der Mensch gewöhnlich anwendet beim Denken - und jeder Mensch, der nicht ausdrücklich daraufhin gelernt hat, wendet diese Kraft an -, kann man nicht in der Akasha-Chronik lesen. Wenn Sie sich fragen , so werden Sie sich sagen müssen: . Sie verbinden Objekt und Prädikat miteinander, wenn Sie einen Satz bilden. Solange Sie selbst es sind, der die einzelnen Begriffe verbindet, so lange sind Sie nicht imstande, in der Akasha-Chronik zu lesen. Sie sind nicht imstande zu lesen, weil Sie Ihre Gedanken mit dem eigenen Ich verbinden. Sie müssen aber Ihr Ich ausschalten. Sie müssen verzichten auf jeden eigenen Sinn. Sie müssen lediglich die Vorstellungen hinstellen, um die Verbindung der einzelnen Vorstellungen durch Kräfte außerhalb von Ihnen, durch den Geist, herstellen zu lassen. Es ist also der Verzicht - nicht auf das Denken, wohl aber darauf, von sich aus die einzelnen Gedanken zu verbinden - notwendig, um in der Akasha-Chronik zu lesen. Dann kann der Meister kommen und Sie lehren, durch den Geist von außen Ihre Gedanken zusammenfügen zu lassen zu dem, was Ihnen der universelle Weltengeist über das, was in der Geschichte sich vollzogen hat, zu zeigen vermag. Dann urteilen Sie nicht mehr…
Hier geht es mir nicht um Theologie als Wissenschaft, sondern um Stile der Geistesforschung. Reduktionismus Georg Maier unterschied zwei Typen von Wissenschaft: im Stile des alten Testamentes: Blick auf Einheit und Gesetze im Stile des neuen Testamentes: Blick auf das Besondere und Wesen Die alttestamentarische Haltung1: Das Besondere wird versucht auf das Allgemeine zurückzuführen. Diese Haltung gipfelt heute in der Sehnsucht nach TOE (Theorie of everything) und ist in den meisten Wissenschaftsdisziplinen das Grundmodell. Selbst der Goetheanismus (im engeren Sinne verstanden) will die einzelnen Phänomene auf Urphänomene zurückführen. Damit ist das Augenmerk auf allgemeine und grundlegende Gesetze gerichtet. Diese Sicht hat die abendländische Naturwissenschaft und ihre Anwendung in der Technik erfolgreich gemacht. Wertschätzung des Besonderen In dieser reduktionistischen Haltung gewinnt man Einsicht in allgemeine Gültigkeiten. Sie versucht die Bilde-Prinzipien zu beschreiben, die den verschiedenen Erscheinungen zugrunde liegen. Sie wird aber so keinen Zugang gewinnen zum einzelnen Wesen. Hier empfiehlt Georg Maier eine Wissenschaft des Neuen Testamentes: Wie wird Wesenserkenntnis möglich? Dafür muss ich mich bereit machen, mich auf eine unscheinbare Situation bejaend einlassen zu können. Um deutlich zu machen, was ich damit meine, möchte eine kleine Episode schildern, die den Beginn einer über 15 Jahre dauernden Bekanntschaft und schliesßlich Zusammenarbeit mit einem Zwerg einleitete: Als ich vor einigen Jahren im Großen Saal des Goetheanum in einem Mysteriendrama Rudolf Steiners saß, begann, bevor sich der Vorhang öffnete, in einiger Entfernung von mir ein Wecker elektronisch erzeugte Pieptöne von sich zu geben. Erschrockenes Rascheln der Besitzerin, bis das Piepen verstummte. Die Szene begann. Nach einigen Minuten erscholl allerdings das gleiche Piepen erneut. Wiederholtes Rascheln, diesmal mit mehr Erfolg: Das Piepen war endgültig verstummt. Um mich eine Atmosphäre von ärgerlichem Schweigen: Man sah möglichst konzentriert auf die Bühne und tat so, als ob nichts gewesen sei.MärchenhaftBeim zweiten Piepen hatte ich jedoch den mich überraschenden Eindruck: «Warum hört mich denn keiner?» Ich ließ mich also auf ein Gespräch ein, indem ich meinen Arm bereit hielt, als kleine Bank zu dienen, und prompt setzte sich ein Männlein darauf und sah mich mit großen Augen an. Ich begann ihm zu erklären: «Das ist jetzt gar nicht der richtige Moment, in dem du rufst!» Verdutzt hörte der Kleine zu und – seine Aufmerksamkeit ausnutzend – erklärte ich ihm: «Wir Menschensehen hier ein wichtiges Schauspiel; da geht es darum, wie Menschen lernen können, dass sie deine Welt auch sehen.» Das Männlein zwinkerte dankbar mit den Augen und schwupp, war es von meinem Arm verschwunden.WissenschaftlichDiese kleine Geschichte läuft Gefahr, beim Leser einen ganz falschen Eindruck zu erwecken. Sie ist nur eine imaginative Erzählung. Nicht, dass es das «Männlein» nicht gäbe, auch «saß» es…
Diesen Beitrag habe ich beim Totengedenken Georg Maiers (* 26. Mai 1933 †14. Juni 2016) beigesteuert. Ich bringe ihn hier erneut, weil ich anregen möchte, seine Gedanken zu einer Form der Geistesforschung in den aktuellen Diskurs miteinzubeziehen. Als ich vor 40 Jahren frisch nach Dornach kam, kam eine hier nicht genannt werden wollende Person von einem Zweigabend im Goetheanum, sichtlich desorientiert und erzählte: «Du, da hat einer geschlagene 90 Minuten über eine Pfütze erzählt, ich sage dir, 90 Minuten: nur Pfütze!» «Wie sah der denn aus?», fragte ich zurück. «So ein kleiner mit ziemlich wenig Haaren und Nickelbrille, hat immer erst am Ende des Absatzes gesagt, was er meint, aber das war dann auch nicht so richtig klar.» «Sprach er oft in Ellipsen wie: ‹nicht wahr?› oder ‹ich mein ja nur› oder ‹ich wollt nur mal sagen› und macht dabei so ein bedeutungsvolles Gesicht?» «Ja genau, und dann hat er über Spiegelungen auf der Pfütze gesprochen und über den Regen, der in die Pfütze tropfte, weißt du, lauter so selbstverständliche Dinge. Dafür gehe ich doch nicht in den Zweigabend!» «Du, ich glaube, das war Georg Maier», vermutete ich. «Ja? Kennst du den?» «Ja, der betreut mit Jochen Bockemühl zusammen das Studien- und Forschungsjahr im Glashaus. Johannes (Kühl) und ich machen bei ihm gerade (1982) ein Projekt.» «Sag mal, ist der denn ganz normal?» «Nein überhaupt nicht, der ist so originell, dass ihn kaum einer versteht! Ich erklär dir jetzt etwas, was ich selbst erst in zehn bis zwanzig Jahren verstehen werde, aber das ist eben auch typisch für Georg Maier, dass man so seine Zeit braucht, bis man ihn versteht: Also, wenn er sich wie ein Kind über eine Pfütze her macht, könnte man ja glauben, dass er das Wesentliche nicht vom Unwesentlichen unterscheiden kann. Aber das sieht nur so aus. In Wirklichkeit ist es genau umgekehrt! Georg würde vielleicht sagen: ‹Also diese Pfütze – nicht wahr …› Und das heißt dann: Diese Pfütze ist nicht eine Pfütze. Oder noch etwas ausführlicher: Wenn Georg über diese Pfütze spricht, dann meint er genau diese Pfütze und nicht irgendeine Prinzip-Pfütze oder eine ‹Pfütze an sich›.» «Na, findest du das nicht ein bisschen pingelig?» «‹Ich mein …›, würde Georg vielleicht bedeutungsvoll andeuten. Das heißt dann soviel wie: ‹Ja, richtig kleinlich!›, aber um das zu verstehen, solltest du mal lesen, was Georg in seinem Grundsatzbeitrag ‹Forschung als Hinwendung zur gegenwärtigen Existenz› (1993) geschrieben hat. Lass dich von dem Titel nicht abschrecken! (Der Inhalt ist allerdings auch nicht so einfach verständlich, aber viel einfacher als der Titel …) Da vergleicht er die Naturwissenschaft mit dem alten Testament: Gesetze werden…
Innere Ruhe gehört in diesen rastlosen Zeiten zu den am meisten erstrebten und doch so fernen Gütern, die man sich für den Feierabend, das kommende Wochenende, den nächsten Urlaub, die Pensionierung oder vielleicht, schneller verfügbar durch ein Glas vom Roten erhofft. Und wem diese Ruhe bedrohlich, weil in ihr neue Räume und Gründe für tiefere Unrast geahnt werden, wem diese Ruhe als Vorbote der letzten Ruhe in fortgesetzte Regsamkeit versetzt, wem die Mahnung von Freunden und dann auch vom Kardiologen, man solle doch einen Schritt kürzertreten, wem all dies zu nahetritt, dem sei diese Hinführung zur Meditation zugeeignet. Am Beginn möge ein Zitat stehen, das in seiner Klarheit und gleichzeitiger Fremdheit jene Distanz erst ermöglicht, von der im zweiten Satz die Rede sein wird. Es wird gesprochen vom Geheimlehrer – der Geheimschule – dem Geheimschüler – Regeln, in Symbolen gegeben – von der Geburt des „höheren“ Menschen und dem Blick in höhere Welten. Rudolf Steiner beschreibt hier einen Prozess, der beim Lesen, das erschafft, wovon er spricht. Vorausgesetzt die alten Worte lenken nicht ab vom stillen Zentrum, aus dem der Text tönt: „Der Geheimlehrer gibt dem Schüler auch praktische Regeln zur Entwicklung des inneren Lebens, wobei er sie so gibt und sich dem Schüler gegenüber so verhält, dass er in dessen freien Willen zu keinem Zeitpunkt eingreift. Die erste Regel lautet: Schaffe dir Augenblicke innerer Ruhe und lerne in diesen Augenblicken das Wesentliche vom Unwesentlichen zu unterscheiden. Solche Regeln wurden früher in den Geheimschulen nicht in Worten, sondern in Symbolen gegeben. Der Geheimschüler soll sich für kurze Zeit (mindestens fünf Minuten) aus seinem Alltagsleben herausreißen und wie ein Fremder seine Empfindungen und Taten betrachten. Er muss mit der inneren Ruhe des Beurteilers sich selbst entgegentreten. Der Wert dieser ruhigen Selbstschau hängt weniger davon ab, was er dabei schaut, als in der Kraft, die eine solche innere Ruhe entwickelt. Diese Ruhe wird dann auch auf das Alltagsleben ausstrahlen und zu einer ganz neuen Lebensauffassung führen. Die gewonnene Ruhe und innere Sicherheit wirken schließlich weiter auf das ganze menschliche Wesen. So werden dann z. B. als Beleidigungen gemeinte Worte an dem Geheimschüler abperlen. Beim Warten wird er, statt zwecklose Ungeduld zu entwickeln, die Zeit für Beobachtungen nutzen usw. Durch diese innere Ruhe schafft der Schüler Raum in sich für die Geburt des „höheren Menschen“, der dann der innere Herrscher wird und die Verhältnisse des äußeren Menschen sicher führt. Aber über diese Selbstbetrachtung muss der Schüler hinauskommen und sich zu dem rein Menschlichen erheben, seinen Blick in die höheren Welten richten. Diese innere Beschaulichkeit muss ihm Lebensbedürfnis werden, er muss lieben, was ihm in diesen stillen Momenten…
Es ist mir bewusst, dass es ein Unterfangen ist, den Versuch zu wagen, die Schritte zur übersinnlichen Wahrnehmung zu beschreiben. Es ist meine Art, die Schritte nachvollziehbar zu beschreiben, und das mag etwas umständlich sein. Hinzu kommt, dass gewisse Feststellungen zwar nachvollzogen werden können, aber doch ein gewisses Mass an Erlebnisfähigkeit in Anspruch nehmen. Die Alltagswelt Im Alltag werden wir von einer Welt umgeben, die unseren Sinnen, ohne unser weiteres Hinzutun, zugänglich ist. D.h., die Sinne sind neutrale Vermittler. Wir können sehen, wir hören, wir schmecken, wir riechen und ertasten, wodurch wir zu der Welt der Dinge eine Beziehung aufbauen. Wir verwenden unsere Sinne, um uns in dieser Welt zu bewegen und in ihr tätig zu sein. Diese Welt ist uns gegeben. Wir gehen selbstverständlich mit ihr um und entdecken, dass wir uns in ihr durch unsere Tätigkeiten verwirklichen können. Das Ziel des Lebens scheint zunächst diese Selbstverwirklichung zu sein, und die sinnliche Welt scheint diesem Zweck zu dienen. Es braucht schon eine gewisse psychologisch-philosophische Ader, um zu überlegen, wie wir unsere innere Fähigkeit verwenden, um unsere Lebensziele zu verwirklichen. Ist man initiativ tätig, braucht man eine Vorbereitung für seine Tätigkeit. Man denkt sich die Schritte vorweg und überlegt, in welcher Reihenfolge man sie durchführen soll. Dem Verwirklichungsprozess geht ein Planungsprozess voraus. Die Gedanken, die man für diese Planung macht, spielen vor der Verwirklichung und gehören als Ideen nicht der sinnlichen Welt an. Durch den Menschen werden Ideen sinnliche Wirklichkeit. So entstehen seine Werke, die Menschenschöpfungen. Der Künstler Der Maler Paul Klee sagte: Der Künstler misst der natürlichen Erscheinungsform nicht die zwingende Bedeutung bei, wie viele der Kritik übenden Realisten. Er fühlt sich an diese Realität nicht so sehr gebunden, weil er an diesen Form-Enden (der Natur) nicht so sehr den Schöpfungsprozess sieht. Denn ihm liegt mehr an den formenden Kräften als an den Form-Enden. Paul Klee. Vortrag in Jena 26. Jan.1924. In Paul Klee Kunst-Lehre. Reclam Leipzig 1991, S. 82 Im Bezug auf das oben Dargestellte führt ein Künstler die Umsetzung von der Idee zur Tat. Insofern ein Mensch aus seinen Ideen Taten und Werke verwirklicht, und Ergebnisse zeitigt, ist jeder Mensch auch ein Künstler. Bei einem Kunstwerk liegt das Werk vor. Beim Betrachten fordert es den Betrachter auf, sich einzuleben. Insofern ist der Betrachter auch ein moderner Kritiker, weil es uns interessiert, was die kritisierende Persönlichkeit innerlich durchlebt, wenn sie sich dem Genuss des Werkes hingibt. Die wahrhaft moderne Kritik kann keine Ästhetik anerkennen; ihr ist jedes Kunstwerk eine neue Offenbarung; sie urteilt in jeder Kritik nach neuen Regeln, wie das wahre Genie bei jedem Werke nach neuen Regeln schafft. Rudolf Steiner,…
Das dritte Auge und die Orientierung im übersinnlichen Wahrnehmen Man kann bei Neugeborenen und Kleinkindern oben auf dem Scheitel die Fontanelle deutlich pochen spüren. Mit der Zeit wächst diese Öffnung zu. Von ihr sagt Rudolf Steiner: "Das ist die Öffnung, die der Mensch dort in Urzeiten hatte. Dort ging, etwa in der Mitte der Menschheitsentwicklung, eine Art Wärmeorgan heraus, eine Flammenstrahlung, wie Saugarme, wie eine ätherische Laterne – das Zyklopen Auge. Es war aber kein Auge, sondern ein Wärmeorgan. Der Mensch brauchte dieses Organ, um sich zu orientieren. (…)" GA 98. 17 März 1908 (1983) S 213 In vielen völkischen Sagen und Mythen, aber vor allem in Homers «Odyssee» wird geschildert wie die gefangenen Griechen dem Zyklopen Polyphem dieses Auge durch einen glühenden Pfahl ausbrennen. Dieses «Einauge» strömte in Urzeiten unmittelbar zum Herzen. Einen Nachklang findet man bei den Beschreibungen des Scheitelchakras, dem gerade wegen der Kraftlinien, die zum Herzen und von dort in die Glieder strömen, eine enge Beziehung zu dem Stirnchakra nachgesagt wird. Rudolf Steiner erwähnt das Scheitelchakra, so viel ich weiss, nicht, weil diese "Verschmelzung" mit dem Stirnchakra in der Weiterentwicklung der Menschheit von dem leibfreien Denken abgelöst wird. Das leibfreie Denken Das leibfreie Denken wurde vielfach diskutiert. Greift man auf das dritte Kapitel der "Philosophie der Freiheit" zurück, so werden dort genau definierte Schritte zur Wandlung des Denkens beschrieben. Nur kurz zusammengefasst: Es geht in einem ersten Schritt darum, sich einen, von einem selbst gedachten Gedanken in die Meditation herein zu holen. Es ist wichtig, dass ich mein Meditationsobjekt selber gedacht habe, weil es mich in die Lage versetzt seinen Quellgrund zu erforschen, denn ich war dabei, wie es entstand Die Übung besteht darin, dass ich die Kraft der Konzentration aufbringen lernen muss, um mein Meditationsobjekt in der Anschauung zu halten. Ich entwickle in diesem zweiten Schritt ein anschauendes Denken. D.h. aus meinem gewohnten Denken schält sich etwas heraus, als Folge meiner beständigen Bemühung, das sich einem inneren Objekt anschauend zuzuwenden vermag.Mit diesem Schritt führe ich einen frei gewordenen Teil meines Willens in mein Denken hinein1 Der dritte Schritt geht von dem anschauenden Denken aus und wendet sich dem Quellgrund meines Meditationsobjekts zu. Ich übe mich darin, den Ursprung meines zum Meditationsobjekt gemachten gedachten Gedankens zu entdecken und finde zweierlei Quellgründe: Einmal ist der gedachte Gedanke meiner Selbstbezogenheit entsprungen, d.h. er folgte z.B. einem Wunsch oder einer Sinnesanregung, oder er entsprang einer Intuition: "Intuition ist das im rein Geistigen verlaufende, bewußte Erleben eines rein geistigen Inhaltes,"2 und damit ein Ausgangspunkt für die übersinnliche Wahrnehmung. Jetzt vermag sich das Denken frei zu bewegen und jedem Meditationsobjekt zuzuwenden. Die Denk-Aufmerksamkeit ist zur…
Erstveröffentlichung in Die Drei 3/2019 Das Wesen des leibfreien Bewusstseins und einige Kriterien zu seiner Erkenntnis In letzter Zeit gab es mehrfach Anlass, sich mit dem Thema des leibfreien, übersinnlichen Erkennens auseinanderzusetzen.1 Eine der Fragen, die dabei entstehen, ist: Führt das, was in diversen anthroposophischen Seminaren als Meditationsübungen praktiziert wird, zu übersinnlichen Erkenntnissen eines leibfreien Bewusstseins, oder handelt es sich lediglich um verfeinerte Sinneserfahrungen? Sind beispielsweise die inneren Bewegungseindrücke und Erlebnisse, die man an der Beobachtung von sprießenden oder welkenden Pflanzen bekommen kann,2 übersinnlich, oder sind es in das Bewusstsein hinaufgeholte und ästhetisch verfeinerte Eindrücke der »unteren« Sinne, des Tast-, Lebens-, Bewegungs- und Gleichgewichtssinnes? Da übersinnliche Wahrnehmungen nur innerlich gemacht und beurteilt werden können, kann es hilfreich sein, sich zu verdeutlich, wie Steiner das leibfreie Erkennen beschrieben hat. Der vorliegende Beitrag möchte zumindest einige Aspekte dieses Erkennens beschreiben, sowie Kriterien darstellen, anhand derer es sich von anderen Erkenntnisarten unterscheiden lässt. In einem zweiten Teil wird an einem meditativen Beispiel der Übergang von leibgebundener zu leibfreier Erfahrung diskutiert. Drei Arten des Erkennens In seiner Autobiographie charakterisiert Rudolf Steiner drei Arten des Erkennens, die »gewöhnliche begriffliche Erkenntnis, die an der Sinnesbeobachtung gewonnen wird«, das »ideelle Erleben, das aber das wirkliche Geistige doch in sich aufnimmt«, ein geistiges »Erleben, an dem der ganze Mensch beteiligt ist«.3 Die Sinneserkenntnis ist vom Organismus abhängig. Bei der ideell-geistigen Erkenntnis ist eine einzelne Einsicht ihrem Wesen nach vom physischen Organismus unabhängig; dass ein solches Erkennen aber überhaupt möglich ist, hängt davon ab, dass »im allgemeinen das Leben im Organismus vorhanden ist.« Die dritte Art von Erkennen kann jedoch nur dann durch den geistigen Menschen zustande kommen, wenn er sich von dem physischen Organismus so frei macht, als ob dieser gar nicht vorhanden wäre. Mein Lebensgang‹ (GA 28), Dornach 1982, S. 325f. In der ersten Art des Erkennens wird die Wahrheit und Wirklichkeit des Erlebten durch die Wahrnehmung verbürgt. Das Erkennen findet im Hier und Jetzt statt, das Ergebnis wird im Gedächtnis behalten. In der zweiten Art werden Begriffe innerlich erlebt. Diese Erkenntnisart liegt Steiners ›Philosophie der Freiheit‹ zugrunde. Dabei »tritt in der Einzel-Anschauung die unmittelbare Erfahrung von dem über die Anschauungsdauer hinausgehenden Bestand des Wahrgenommenen ein.«4 Beim Erfassen eines Begriffes kann man unmittelbar erleben, dass sein Inhalt nicht nur jetzt wahr ist, sondern es auch gestern war und morgen sein wird. Hier reicht das bloß gedächtnismäßige Behalten des Erkannten nicht aus. Wie der Organismus fortwährend atmen muss, so ist es notwendig, »daß die Seele in einer fortdauernden lebendigen Wechselwirkung stehe mit der Welt, in die man sich durch diese Erkenntnis versetzt.« Diese Wechselwirkung erreicht man durch regelmäßiges Meditieren. In der dritten…