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Gedanken zu Korrespondenzblätter 7
Elisabeth Göbel Wenn ich das ganze 7. Korrespondenzblatt auf mich wirken lasse, auch als Nachklang, kann ich in ihm den doppelten Zeitstrom in 5 Teilen erleben. Einige Gedanken im Hinblick auf den Weg der 19 Klassenstunden möchte ich dazu festhalten, sie entgleiten sonst so leicht. Im ersten Teil ist zu dem Forschen um Verständnis von LOGOS und SOHN dort die Frage gestellt, ob Rudolf Steiner in diesen beiden Worten die gleichen, oder ob er unterschiedliche Wesenheiten meint. Dazu habe ich die Frage, ob es ohne viel Textforschung auch legitim ist, zwei verschiedene Beziehungen zu meinem Inneren aufzusuchen, Empfindungen von zwei Wegen zum zentralen Ereignis unserer Erdenentwicklung. LOGOS kommt aus unfasslich kosmisch weiten Räumen wie ein alles umfassender Klang im Weltenall – weder kalt noch warm , nur gewaltig. - SOHN hingegen trifft mich im Innern wie ein heller Wärmestrahl. Da tauchen die rätselhaften Sätze Rudolf Steiners vor mir auf: „Es ist ein Glänzen nicht von Licht, es ist ein Glänzen von Liebe. Denn in denjenigen Orten, wo dasjenige, was sonst im Umfange ist, sich im Mittelpunkte sammelt, liegen auch die Ursprünge der Liebesmächte.“ Rudolf Steiner 11. Kl-Std. 3. Mantram Mit der Tat sollen wir dort antworten. - Es sind verschiedene Wege zu dem zentralen Paulus-Wort. In der Kinderhandlung der CG und auch in der Schulfeier antworten die Kinder: „Ich will Ihn suchen.“ Ich erinnere mich, wie in der 13. Klassenstunde, vom Hüter öffnend, wie uns von der ersten Hierarchie zugerufen wird, auf was wir in uns blicken sollen. Ich spüre, ich kann es nicht erfüllen ohne Ihn. Und nun kann man aus der Zukunft des Mantrenweges in seiner Gesamtheit hören, wie in der 14. Stunde der Hüter, mahnend am Abgrund stehend, seine Rechte gegen uns wendend, tief einschneidend vier Fragen an uns richtet. Eingespannt in die Widersachermächte antwortet in uns Christus aus Seelentiefen. Dabei sind wir in unseren Herzen angekommen. Nun treffen sich die beiden Zugänge im Empfinden und im Vertiefen in LOGOS und SOHN als eine neue Qualität wie ein neuer Einschlag oder einer Geburt. Mir ist verständlich, dass Rudolf Steiner in seinen Vorträgen denjenigen Begriff ergreift, der seinem eingeschlagenen Weg entspricht. Dem würde der Entwicklungsgedanke seines Forschungsweges nicht widersprechen. Aus der Zukunft scheint mir in aller Zartheit die 19. Stunde in ihrer Dreieinigkeit, in ihrer Entfaltung der Gottheit innerhalb der 1. Hierarchie entgegen zu leuchten, da die letzten Zeilen der drei Mantrenstrophen gleichlautend tönen. Dann im zweiten Teil widmet sich das Korrespondenzblatt in eindrücklicher Weise der esoterisch jüdischen Tradition. „Die Umkehr zur Sphäre des Heiligen als gegenwärtige Wirklichkeit, zu der der gegenwärtige Mensch wirklich Zugang gewinnen kann“, so heißt es nun. Es…
Schöpfung aus dem Nichts: Die Kontraktion – Der Rückzug Gottes
Liebe Elisabeth, lieber Günter Röschert, zu Eurer Einladung, das Thema „Schöpfung aus dem Nichts“ aus der jüdischen Tradition aufzubereiten, vorab – verzeiht – vielleicht ein paar befremdliche Worte. Vor vielen Jahren las ich den Ulenspiegel von Charles de Coster. De Coster versetzt die Geschichten um Ulenspiegel in das 16. Jahrhundert zur Zeit der spanischen Besetzung der Niederlande. Ulenspiegel musste erleben, dass sein Vater Claes durch die Inquisition öffentlich verbrannt wurde. In der Nacht darauf schlich sich Ulenspiegel zum Verbrennungspfahl und kratzte Asche aus der Herzgegend seines Vaters. Diese tat er in einen Beutel, den er seitdem immer an seinem Herzen trug. Ulenspiegel schloss sich den Geusen an und kämpfte für die Unabhängigkeit der Niederlande. Während dieser Zeit sagte er sich und zu anderen Menschen: Claesens Asche pocht auf meiner Brust. Was den Inhalt des Romans angeht, habe ich fast alles vergessen nur dieser Satz hat sich mir eingeprägt. Für mich selber, für meinen Lebensweg, habe ich diesen Satz unter Abänderung eines Wortes von Paul Celan aus der Todesfuge als einen Teil meiner Raison detre gewählt: Schulamiths Asche pocht auf meiner Brust. Und dies nicht nur wegen der Shoah, sondern auch wegen des geringen Interesses an jüdischer Religion, an jüdischer Spiritualität, an jüdischer Geistesforschung auch in anthroposophischen Kreisen. Betroffenheit und Schmerz erfüllt mich jedes Mal, wenn ich die Rezension von Rudolf Steiner zu einem Werk Hamerlings aus dem Jahr 1888 lese. Ich zitiere einige Sätze wörtlich: Das Judentum als solches hat sich aber längst ausgelebt, hat keine Berechtigung innerhalb des modernen Völkerlebens, und daß es sich dennoch erhalten hat, ist ein Fehler der Weltgeschichte, dessen Folgen nicht ausbleiben konnten. Wir meinen hier nicht die Formen der jüdischen Religion allein, wir meinen vorzüglich den Geist des Judentums, die jüdische Denkweise. ... Rudolf Steiner, Gesammelte Aufsätze zur Literatur 1884-1902; GA 32, S. 156 Ausgeführt hat Rudolf Steiner nicht, was er unter dem „Geist des Judentums“, der „jüdischen Denkweise“ versteht. Zu ergänzen wäre noch, dass Rudolf Steiner sich nie von diesem Text distanziert hat, in seinem Lebensgang schrieb er wenige Jahre vor seinem Tod, dass er wegen dieses Textes einige Schwierigkeiten bekam, er sei doch aber nur von Tatsachen ausgegangen. Lesenswert hierzu ist der Aufsatz von Ralf Sonnenberg in dem Buch: Anthroposophie und Judentum. Sonnenberg vermutet, dass Steiner in dem damaligen Judentum den Hauptträger materialistischer Weltanschauung sah. Steiners Äußerungen zum Judentum hatten leider auf das anthroposophische Leben Auswirkungen: So schrieb Friedrich Rittelmeyer in seinem 1933 erschienenen Buch Rudolf Steiner als Führer zu neuem Christentum: „Im Judenvolk wurde endlich, durch den besonderen Ernst seiner Ehegesetze und anderes, die menschliche Leiblichkeit so gesund und stark herangebildet, dass sie, unter Vermählung…