Themen die Religionen betreffen

Elohim und JHWH – höchste Gottheit oder Engelwesen?

János Darvas Elohim and YHWH - supreme deity or angelic beings?"Then new horizons lure the mind's advance. /There comes no close to the finite's boundlessness,/ There is no last certitude in which thought can pause/ And no terminus to the soul's experience.”AurobindoThe questionThe question arises from Rudolf Steiner's presentations in which he uses words from the Hebrew Bible that seem to have a completely different meaning than those received in the Jewish tradition. Is the deity addressed as Elohim, or YHWH, the ultimate creator deity, or are they designations for hierarchical beings (in anthroposophical terms: Elohim => Exusiai => Spirits of Form) located at a certain medium level, which Rudolf Steiner disposes according to the ninefold Christian system of Dionysus Areopagita. Since there are other designations of God in the Torah and tradition (Jah, Ts'waot, Shaddai, El, Elyon, Adonai, Adon etc.) the further question arises as to whether these are angelic beings of whatever order. Or not. I will leave out these other names and concentrate on the two most important names Elohim and YHWH, (but mainly Elohim). I will list a few glosses below, disparate questions in no systematic order. I can’t either propose a definitive “solution” to these questions. By moving those topics in the space of free thinking, something – to say it in French – “se donne à penser de façon subtile”. Not an angelic hierarchyThe view that Elohim or YHWH belong to a hierarchical sub-genus of beings and do not denote the supreme deity speaks against this:• The conviction of the Jews that they are praying to the highest Creator God when they mention these names. (Possible objection: they may be wrong)• In the daily main prayer (Amida), God is addressed as El Eljon (Highest God) (Objection: it is perhaps only the relatively highest God, the one that Jewish knowledge, limited in the eye of of Christian supersessionism, can just reach). However, according to Jewish tradition, after Abraham's encounter with Melchizedek, the high priest of El Elyon, he also becomes a partaker of this deity. (From an anthroposophical, supersessionist point of view, Emil Bock does not attribute this to him; he had only become a bearer of a inferior reflection of the Highest through the sphere of the moon).• The sentence from the Passover Haggadah: He Himself brought us out of Egypt - He Himself, not a "malach" (angelic being).• The mystical-theosophical doctrine of the "Sarim" (Princes), which are folk spirits related to the planets that lead large groups of humanity. Every nation has a "Sar", but Israel, according to this tradition, does not; it is under the direct…

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Eine kleine Liebeserklärung an Georg Maier

Diesen Beitrag habe ich beim Totengedenken Georg Maiers (* 26. Mai 1933 †14. Juni 2016) beigesteuert. Ich bringe ihn hier erneut, weil ich anregen möchte, seine Gedanken zu einer Form der Geistesforschung in den aktuellen Diskurs miteinzubeziehen. Als ich vor 40 Jahren frisch nach Dornach kam, kam eine hier nicht genannt werden wollende Person von einem Zweigabend im Goetheanum, sichtlich desorientiert und erzählte: «Du, da hat einer geschlagene 90 Minuten über eine Pfütze erzählt, ich sage dir, 90 Minuten: nur Pfütze!» «Wie sah der denn aus?», fragte ich zurück. «So ein kleiner mit ziemlich wenig Haaren und Nickelbrille, hat immer erst am Ende des Absatzes gesagt, was er meint, aber das war dann auch nicht so richtig klar.» «Sprach er oft in Ellipsen wie: ‹nicht wahr?› oder ‹ich mein ja nur› oder ‹ich wollt nur mal sagen› und macht dabei so ein bedeutungsvolles Gesicht?» «Ja genau, und dann hat er über Spiegelungen auf der Pfütze gesprochen und über den Regen, der in die Pfütze tropfte, weißt du, lauter so selbstverständliche Dinge. Dafür gehe ich doch nicht in den Zweigabend!» «Du, ich glaube, das war Georg Maier», vermutete ich. «Ja? Kennst du den?» «Ja, der betreut mit Jochen Bockemühl zusammen das Studien- und Forschungsjahr im Glashaus. Johannes (Kühl) und ich machen bei ihm gerade (1982) ein Projekt.» «Sag mal, ist der denn ganz normal?» «Nein überhaupt nicht, der ist so originell, dass ihn kaum einer versteht! Ich erklär dir jetzt etwas, was ich selbst erst in zehn bis zwanzig Jahren verstehen werde, aber das ist eben auch typisch für Georg Maier, dass man so seine Zeit braucht, bis man ihn versteht: Also, wenn er sich wie ein Kind über eine Pfütze her macht, könnte man ja glauben, dass er das Wesentliche nicht vom Unwesentlichen unterscheiden kann. Aber das sieht nur so aus. In Wirklichkeit ist es genau umgekehrt! Georg würde vielleicht sagen: ‹Also diese Pfütze – nicht wahr …› Und das heißt dann: Diese Pfütze ist nicht eine Pfütze. Oder noch etwas ausführlicher: Wenn Georg über diese Pfütze spricht, dann meint er genau diese Pfütze und nicht irgendeine Prinzip-Pfütze oder eine ‹Pfütze an sich›.» «Na, findest du das nicht ein bisschen pingelig?» «‹Ich mein …›, würde Georg vielleicht bedeutungsvoll andeuten. Das heißt dann soviel wie: ‹Ja, richtig kleinlich!›, aber um das zu verstehen, solltest du mal lesen, was Georg in seinem Grundsatzbeitrag ‹Forschung als Hinwendung zur gegenwärtigen Existenz› (1993) geschrieben hat. Lass dich von dem Titel nicht abschrecken! (Der Inhalt ist allerdings auch nicht so einfach verständlich, aber viel einfacher als der Titel …) Da vergleicht er die Naturwissenschaft mit dem alten Testament: Gesetze werden…

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Kulmination wagen

Eine Replik auf Frank Lindes Leserzuschrift Diese Replik – in Beantwortung der ausführlichen Überlegungen Frank Lindes zu meinem zweiteiligen Aufsatz über das Ernstnehmen der Tradition – soll knapper gehalten bleiben als jene. Das berührt einen Punkt, den Linde methodisch befragt: Denn ich hielt mich mit den beiden Teilen des Aufsatzes in etwa an die Vorgaben der Redaktion des „Korrespondenzblattes“, dass ein Beitrag in einer Ausgabe desselben den Umfang von 4 Druckseiten im Heft möglichst nicht überschreiten sollte. Dies führte zu meinem eher exemplarischen Vorgehen – unter Verzicht darauf, ganze Vorträge Rudolf Steiners zu referieren. Den einzigen methodischen Mangel meiner Ausführungen sehe ich darin, auf diesen Umstand nicht explizit hingewiesen zu haben. In denselben Kontext gehört, dass die Betitelung der beiden Teile meines Aufsatzes nicht nur ein Steiner-Zitat darstellt, sondern, was Linde unerwähnt lässt, bewusst Bezug nimmt auf die frühere Verwendung eben dieses Zitats in den Beiträgen Günter Röscherts – im Dialog mit Wolfgang Gädeke – in den Ausgaben 1-3 des „Korrespondenzblattes“, unter der Überschrift „Dreieinigkeit Gottes“. Linde möchte – bezüglich des Begriffs „Tradition“ – Steiners Verwendung derselben Vokabel, im Vortrag vom 20. Mai 1923, eingrenzen auf die Überlieferung zweier Evangelienstellen (Mt 28,20 und Joh 16,12), weil in dem genannten Vortrag insbesondere diese zwei Stellen angeführt werden. Deren letzte lautet: „Ich habe euch noch viel zu sagen; aber ihr könnt es jetzt nicht ertragen.“ – Steiner will hier darauf hinweisen, dass im Anschluss an die primäre Offenbarung, die in den Evangelien vorliegt, weitere Offenbarungen (im weitesten Sinne) möglich sein werden, nämlich dann, wenn die Schüler Christi es doch werden ertragen können. Nun denken hier nicht nur Anthroposophen an die fortgesetzte Offenbarung (im weitesten Sinne), die die Anthroposophie bringt. Sondern die Christenheit hat schon viel früher dieselbe Idee zugrunde gelegt, als sich dasjenige ausbildete, was unter „Tradition“ verstanden wird. Denn seit eh und je unterscheidet die christliche Theologie zwei Quellen des Glaubens: Schrift – also vorrangig die Evangelien – und Tradition. Wollte man Linde folgen, hieße das, Rudolf Steiner zu unterstellen, dass ihm diese Unterscheidung nicht geläufig gewesen wäre. Nein, von den beiden Stellen bei Matthäus und Johannes ausgehend, werden wir darauf hingewiesen, dass die zweite genannte Quelle auch später fortgesetzt fließen wird – nach Abschluss der Ausbildung des Kanons (insbesondere: der Kanonisierung der vier Evangelien). Und zwar in der Tradition, die deswegen eben ernst genommen werden soll. Rudolf Steiner selbst hat die spirituellen Verhältnisse beschrieben, die u.a. zur Ausbildung der Tradition einst hatten führen können. Er sprach darüber in dem Vortrag „Wie finde ich den Christus?“.1 Hier erfahren wir, dass die Jünger und Apostel um die Zeit des Mysteriums von Golgatha dessen Tiefe nur ahnend…

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Christus, der Sohn Gottes

Eine Antwort an Klaus J. Bracker und für die Leser Die Frage nach der Menschwerdung Gottes in Jesus ist wohl die größte, erhabenste und zugleich geheimnisvollste, wie jene nach dem Menschen selbst. Jede Bemühung, sich diesem Mysterium zu nähern ist ein Gewinn für die Erkenntnissuche nach dem wahren Sinn des Lebens schlechthin. Mit seinen Beiträgen im Korrespondenzblatt, „Die christliche Tradition in vollem Sinne ernst nehmen“, möchte Klaus J. Bracker eine Forschungsfrage vorlegen, um die Geburt in Bethlehem „neu“ zu bewerten, zugleich jene nach der „Jungfrauengeburt“ sowie „die Stellung der anthroposophischen Geisteswissenschaft zu den Zeugnissen der christlichen Tradition überhaupt“ (KB 4,18).[1] Er möchte die These begründen, dass der Sohn Gottes, die zweite Hypostase der Trinität, nicht erst mit der Johannestaufe im Jordan in den Menschen Jesus von Nazareth eingetreten sei, sondern schon bei der Geburt des Jesus in Bethlehems Stall. Demgegenüber geschah es bei der Jordantaufe, „dass der kosmische Christus sich mit Jesus von Nazareth verband, während der Sohn ihm bereits innewohnend“ sei. (Teil 1, S. 18) Christus wird dabei als ein hierarchisches Wesen verstanden, dem „Höchsten der Sonnen-Hierarchie“ (Teil 2, S. 4, FN 2), das von dem Sohn, dem Logos, zu unterscheiden sei.[2] In einer Arbeit, die als Beitrag zur anthroposophischen Forschung gemeint ist, kommt es aber nicht allein auf die inhaltlichen Aussagen an, sondern auch auf die Methode, durch die sie gewonnen werden. Und hier zeigen sich von Anfang an Schwächen, die zu irreführenden Vorstellungen führen. Eine gründliche Prüfung der Kernaussagen wird ergeben, dass diese nicht nur methodisch nicht haltbar sind, sondern auch im Gegensatz zu geisteswissenschaftlichen Forschungsergebnissen Rudolf Steiners stehen. Um dies begründend darzustellen, wird es nötig sein, die von Bracker viel zu verkürzt zitierten Aussagen Steiners in ihrem ursprünglichen Kontext zu betrachten. Der Leser wird um Verständnis gebeten, dass dies nicht mit wenigen Zeilen zu machen ist. Die kritische Betrachtung wird um wesentliche Gesichtspunkte aus der Geistesforschung Steiners ergänzt, die das Bild von der Geburt des nathanischen Jesus differenzierter beleuchten sowie um einige Quelletexte, besonders aus den letzten Lebensjahren Steiners, zu der Frage vom Wesen des Christus als dem Logos, dem Sohn Gottes. „Die christliche Tradition in vollem Sinne ernst nehmen“? Beginnen wir mit dem Titel der Beiträge. Bracker wählt als Überschrift ein Zitat Rudolf Steiners, das er in Teil 1 in Anführungsstrichen setzt, in Teil 2 nicht, und jeweils in den Texten noch einmal zitiert, insgesamt also viermal. Der Satz lautet: „Die christliche Tradition in vollem Sinne ernst nehmen“. Gleich anschließend macht Bracker deutlich, was er unter „christliche Tradition“ versteht. Er nennt das Konzil von Ephesus (431), die Aussage: „Maria habe nicht nur den Menschen Jesus geboren, sondern zugleich auch…

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„Die Dogmen sind schon wahr…“

Eine Replik als Antwort an Wolfgang Gädeke Diese Replik – in Beantwortung der Überlegungen Wolfgang Gädekes zu meinem zweiteiligen Aufsatz über das Ernstnehmen der Tradition, die er in der 6. Ausgabe des Korrespondenzblattes vorlegte – beschränkt sich weitgehend auf die Beleuchtung wesentlicher Argumente, wie sie sich dort finden, sowie auf das Benennen von Gesichtspunkten, die ich in der 5. Ausgabe klar angesprochen hatte, die aber von Wolfgang Gädeke nicht weiter reflektiert wurden. Zuvor jedoch sei mein Dank an Michael Frensch ausgesprochen, der gänzlich unerwartet Ende März diesen Jahres verstorben ist – und eine große Lücke hinterlässt. – Er hatte den Fortgang unserer Diskussion der Fragen nach der Sohngeburt und nach der Berechtigung des Titels „Gottesgebärerin“ für die Maria des Lukas-Evangeliums maßgeblich befördert. Allein schon aus der von ihm angeführten Tatsache, dass der Sohn mit seiner Geburt die Knechtsgestalt annahm, was die Patristik als das Geheimnis der Kenosis (gr. = das Leerwerden bzw. Sich-selbst-Leermachen) fasste, ergibt sich notwendig, dass der Begabung Jesu von Nazareth mit der Fülle, mit dem Pleroma, im Zuge der Jordantaufe, eine Zeit des Leer-Seins vorausgegangen sein muss.[1] Heißt es doch bei Paulus: „Er, der in Gottgestalt war, erachtete das Gottgleichsein nicht als Beutestück; sondern er entäußerte sich selbst, nahm Knechtsgestalt an und ward dem Menschen gleich.“ (Phil 2,6-7) Der hier Handelnde – „Er“ – kann (auch von Rudolf Steiner her) nicht als der Mensch Jesus verstanden werden, weil Ersterer dem Menschen ja erst sukzessive gleich wird – in einem laufenden Geschehen, zu dessen Anfang er dem Menschen eben noch nicht gleich ist. Der Mensch Jesus des Lukas-Evangeliums hingegen, der nathanische Jesus, war Mensch von Anfang an. Genauso wenig kann der hier Sich-Entäußernde der kosmische Christusgeist sein – der führende Geist der Sonnen-Hierarchie –, denn indem dieser durch die Jordantaufe in die Erdenwelt eintrat, teilte er sich ja dem Jesus von Nazareth, nach Rudolf Steiner, gerade als die Fülle, als das Pleroma erst eigentlich mit. Nein, der hier Genannte, der den Menschen geheimnisvoll gleich ward, konnte für Paulus nur der Sohn selbst sein und seine Kenosis ereignete sich zugleich mit seiner Erdengeburt – in Bethlehems Stall. Nun zu einzelnen Kernstücken der Argumentation Wolfgang Gädekes. Ich hatte in meinem Aufsatz eine bedeutende Stelle aus dem Vortragswerk Rudolf Steiners angeführt, wo die Rede davon ist, dass die „Götter“ zusahen, wie einer der Ihren im Übersinnlichen antrat, wirklich „Erdengeburt und Erdentod“ oder auch „Menschengeburt und Menschentod“ auf sich zu nehmen.[2] Dabei legte ich Wert darauf, dass „Erdengeburt“ bzw. „Menschengeburt“ sich nicht auf die Jordantaufe beziehen kann. Und ich füge jetzt verdeutlichend hinzu, dass man sich eine solche Geburt tatsächlich vorstellen müsste als eine solche, die…

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HINENI! HIER BIN ICH!

Ein Trialog von spirituellem Judentum, philosophischen Fragen und anthroposophischen Ausblicken Das neue Buch von Janos Darvas „Wohl, es wurde gesiebt; aber: ich bin ein Sieb.“[i] Wissen Sie, woher die kleine Einbuchtung kommt, die wir alle an der Oberlippe haben? Kurz vor unserer Geburt hat ein Engel seinen Finger auf unseren Mund gelegt - wir sollten nicht verraten, was wir im Vorgeburtlichen erlebt haben. Dadurch aber haben wir es selbst auch vergessen ... Diese kleine legendenhafte Erklärung aus dem Talmud ist einer der überraschenden Einblicke in die jüdische spirituelle Kultur, die uns Janos Darvas in seinem neuesten Buch wie nebenbei gibt. Sie weist auf geistige Erfahrungen hin, die bei der Inkarnation aus dem Bewusstsein verschwinden. Damit erklärt sie auch, warum wir aktiv an einer Bewusstseinssteigerung arbeiten müssen, wenn wir ein freies Verhältnis zu unserem geistigen Ursprung gewinnen wollen. Spuren geistiger Eindrücke haben sich allerdings bis in unseren Körper eingeprägt. Dahinter steht die Idee der Wiederverkörperung, die im jüdisch-theosophischen Schrifttum und in chassidischen Erzählungen verbreitet ist. Janos Darvas‘ Buch ist auf 150 überschaubare Seiten eine erstaunlich flotte und zugleich gediegene Einführung in die jüdische Kulturwelt. Ich entdecke dadurch erst recht, wie diese als Ganze von einer Spiritualität durchdrungen ist, die mich und jeden Menschen angeht. Ein nicht zu unterschätzender Beitrag zur spirituellen Ökumene der grossen Weltreligionen! Aber das neue Buch ist noch mehr. Es ist zunächst die Antwort auf die Frage von Jens Heisterkamp, ob er (Darvas) „ein Buch über jüdische Mystik und Anthroposophie schreiben könnte“. Ja, das konnte er, weil er seit Jahrzehnten mit Anregungen aus dem Judentum und aus der Anthroposophie Rudolf Steiners lebt und seit knapp einem Vierteljahrhundert das mangelhafte Bild des Judentums, das auch im anthroposophischen Milieu zum Teil kursiert, zu korrigieren versucht.[ii] Im Judentum ist er aufgewachsen, er kennt „den Umgang mit der jüdischen Liturgie“ und der hebräische Bibel ist ihm „in der Originalsprache zugänglich“. Später hat er sich ein eigenständiges Verhältnis zu dieser Tradition erarbeitet. Gegen Ende seines Philosophiestudiums kam er zudem mit der anthroposophischen Heilpädagogik in Kontakt, wurde dort als Erzieher, Lehrer und Ausbilder tätig, und stiess auf Rudolf Steiners Philosophie der Freiheit. Diese verschiedenen Fäden laufen in seinem Buch zusammen. Das macht es schliesslich und vielleicht vor allem zu einer originellen und gegenwartsgemässen Einführung in praktische Spiritualität überhaupt. Originell schon durch den jüdischen Einschlag, aber vor allem durch die freie, individuelle Gestaltung des Behandelten durch den Autor. Was heisst „spirituelle Praxis“? Gemeint ist die Suche nach Erfahrung der geistigen Innendimension der Welt, die allerdings nur durch die dazu erforderlichen transformativen Prozesse in der Seele des Suchenden gelingen kann. Um den Geist in der Welt zu finden, muss der…

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Bemerkungen zu Schöpfung aus dem Nichts

Winfried Karitter Einige Bemerkungen zu der Zeichnung Rudolf Steiners am Ende meines Artikels über die Schöpfung aus dem Nichts unter Berücksichtigung des Vortrages Rudolf Steiners vom 10. Mai 1924 (GA 353)                               Lichtgelöst                              Wächst Deine Seele grasig                              Dennoch Du weisst                              Am Seelenfaden ist eine Wurzel                              Und Deine Seele lichtumfangen                              Gleicht einer schimmernden Perlenschnur Rahel Mirjam Abraham Vortrag und Zeichnung vom 10. 5. 1924 (GA 3531) stellen die Sicht  Rudolf Steiners auf den „jüdischen Sephirothbaum“ dar. Die Juden des Altertums, so Steiner, hätten ihre höchste Weisheit darin eingeschlossen, in den ersten zwei Jahrhunderten nach der Entstehung des Christentums habe man von allen diesen Dingen gewusst, als die Juden sich zerstreut haben in die Welt, ist diese Art zu wissen auch zerstreut worden. Diese Annahme Steiners entspricht nicht den gesicherten historischen Tatsachen. Der Begriff „Sephiroth“ erscheint zum ersten Mal in einem frühen mystischen Buch, dem „Sefer Jezira“ (Buch der Schöpfung) zwischen ca. 200 – 600 neuer Zeitrechnung. Der Autor ist unbekannt. In diesem Buch bezeichnet der Begriff Sephiroth heilige Zahlen, mit denen Gott zusammen mit den 22 hebräischen Buchstaben das Universum erschuf. Den sogenannten Baum der Sephiroth zusammen mit den Begriffen für die einzelnen Sephiroth finden wir erst in der kabbalistischen Literatur des 12. und 13. Jahrhunderts. In dieser Zeit entstand auch erst die Kabbala, wie wir sie heute kennen. Dieses hebräische Wort war natürlich schon zuvor bekannt und gebräuchlich, es bezeichnet schlicht den Empfang oder die Tradition. So beginnen Juden den Shabbat mit dem Kabbalat Shabbat, den Empfang des Shabbat. Wenn wir heute von Kabbala sprechen, meinen wir ausschliesslich die Mystik des Judentums. Ort der Entstehung dieser Geisteswissenschaft war Spanien und die Provence im 12./13. Jahrhundert. Namen einiger Rabbiner, die führend an der Geburt der Kabbala beteiligt waren: Jizchak der Blinde, genannt auch Sagi Nahor (der Lichtreiche), ca. 1165 – 1235. Asriel von Gerona (1160 – 1238). Gerona in Nordspanien war ein Zentrum des spirituellen Judentums. Dort wirkten wenigstens 12 Kabbalisten. Asriel beeinflusste nach prominenter Auffassung Jakob Böhme (155 - 1624) deutscher Mystiker Josef GiKatilla (1248 – 1325) aus Medinaceli und Segovia. Sein Lehrer Abraham Abulafia (ca. 1240 – 1291), den ich besonders schätze. Abulafia suchte den Papst auf und forderte die Freilassung des jüdischen Volkes, d.h. die Einstellung der mörderischen Verfolgungen. Abulafia wurde sofort verhaftet und wäre auch verbrannt worden, wenn nicht der Papst wenige Tage später gestorben wäre. Ein weiterer wichtiger Ort für die Entwicklung der Kabbala war Safed im Galil (Galiläa). Hier wirkten im 16. Jahrhundert u.a. die grossen Rabbiner Moses Cordovero, sein Schüler Jizchak Luria und dessen Schüler Chaim Vital. Schliesslich ist noch der osteuropäische Chassidismus zu erwähnen, begründet im 18. Jahrhundert von Israel Ben Elieser. Diese…

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Schöpfung aus dem Nichts: Die Kontraktion – Der Rückzug Gottes

Liebe Elisabeth, lieber Günter Röschert, zu Eurer Einladung, das Thema „Schöpfung aus dem Nichts“ aus der jüdischen Tradition aufzubereiten, vorab – verzeiht – vielleicht ein paar befremdliche Worte. Vor vielen Jahren las ich den Ulenspiegel von Charles de Coster. De Coster versetzt die Geschichten um Ulenspiegel in das 16. Jahrhundert zur Zeit der spanischen Besetzung der Niederlande. Ulenspiegel musste erleben, dass sein Vater Claes durch die Inquisition öffentlich verbrannt wurde. In der Nacht darauf schlich sich Ulenspiegel zum Verbrennungspfahl und kratzte Asche aus der Herzgegend seines Vaters. Diese tat er in einen Beutel, den er seitdem immer an seinem Herzen trug. Ulenspiegel schloss sich den Geusen an und kämpfte für die Unabhängigkeit der Niederlande. Während dieser Zeit sagte er sich und zu anderen Menschen: Claesens Asche pocht auf meiner Brust. Was den Inhalt des Romans angeht, habe ich fast alles vergessen nur dieser Satz hat sich mir eingeprägt. Für mich selber, für meinen Lebensweg, habe ich diesen Satz unter Abänderung eines Wortes von Paul Celan aus der Todesfuge als einen Teil meiner Raison detre gewählt: Schulamiths Asche pocht auf meiner Brust. Und dies nicht nur wegen der Shoah, sondern auch wegen des geringen Interesses an jüdischer Religion, an jüdischer Spiritualität, an jüdischer Geistesforschung auch in anthroposophischen Kreisen. Betroffenheit und Schmerz erfüllt mich jedes Mal, wenn ich die Rezension von Rudolf Steiner zu einem Werk Hamerlings aus dem Jahr 1888 lese. Ich zitiere einige Sätze wörtlich: Das Judentum als solches hat sich aber längst ausgelebt, hat keine Berechtigung innerhalb des modernen Völkerlebens, und daß es sich dennoch erhalten hat, ist ein Fehler der Weltgeschichte, dessen Folgen nicht ausbleiben konnten. Wir meinen hier nicht die Formen der jüdischen Religion allein, wir meinen vorzüglich den Geist des Judentums, die jüdische Denkweise. ... Rudolf Steiner, Gesammelte Aufsätze zur Literatur 1884-1902; GA 32, S. 156 Ausgeführt hat Rudolf Steiner nicht, was er unter dem „Geist des Judentums“, der „jüdischen Denkweise“ versteht. Zu ergänzen wäre noch, dass Rudolf Steiner sich nie von diesem Text distanziert hat, in seinem Lebensgang schrieb er wenige Jahre vor seinem Tod, dass er wegen dieses Textes einige Schwierigkeiten bekam, er sei doch aber nur von Tatsachen ausgegangen. Lesenswert hierzu ist der Aufsatz von Ralf Sonnenberg in dem Buch: Anthroposophie und Judentum. Sonnenberg vermutet, dass Steiner in dem damaligen Judentum den Hauptträger materialistischer Weltanschauung sah. Steiners Äußerungen zum Judentum hatten leider auf das anthroposophische Leben Auswirkungen: So schrieb Friedrich Rittelmeyer in seinem 1933 erschienenen Buch Rudolf Steiner als Führer zu neuem Christentum: „Im Judenvolk wurde endlich, durch den besonderen Ernst seiner Ehegesetze und anderes, die menschliche Leiblichkeit so gesund und stark herangebildet, dass sie, unter Vermählung…

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